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Rezension der CD "Festliches Konzert" von Eurowinds

Man stelle sich einmal vor, der FC Bayern München träte zur Bundesligasaison nicht an. Das Fernbleiben des Rekordmeisters wäre ein Skandal, der nicht nur die Fußballnation erschüttern würde. Weniger Schlagzeilen machte die Absenz des Seriensiegers beim Deutschen Orchesterwettbewerb in der Sparte Blasorchester. Der Orchesterverein Hilgen machte 2008 den Rückzieher, weil ihm die Antrittsgebühren zu hoch waren. Damit fehlte der Veranstaltung bei der jüngsten Austragung der Titelverteidiger, dem 1996, 2000 und 2004 ein Titel-Hattrick geglückt war. Dass ihr Orchester einmal zu den führenden sinfonischen Blasorchestern Deutschlands zählen würde, hätten sich die Männer, die 1876 im Bergischen Land östlich von Köln den Oelberger Musikverein gegründet haben, kaum träumen lassen. Dass der daraus hervorgegangene Orchesterverein auch in Europa mit der Spitze mithalten kann, bestätigte das Blasorchester 2008 beim internationalen Wettbewerb „Eolia" in Straßburg, wo es in der höchsten Kategorie gleich drei erste Preise abräumte. Zu den hervorstechendsten Merkmalen des Orchestervereins zählt ohne Zweifel seine außergewöhnliche Klangkultur. Zu verdanken ist diese zu einem Gutteil Johannes Stert, der seit mehr als 15 Jahren die Position des Chefdirigenten innehat. Ein Insider, der ansonsten professionell musiziert, spricht von einem Quantensprung, den das Orchester unter Sterts Leitung gemacht hat. Und der gelang offenbar gerade deshalb, weil Stert nicht aus der Blasorchesterszene kommt.

Die CD „Festliches Konzert" macht dies in jeder Hinsicht deutlich. Nicht von ungefähr ist der Dirigent in Aktion auf der Titelseite des eher spartanisch gestalteten Booklets abgebildet - bis auf ein paar Infos zu Vita der Solisten, des Orchesters und des Dirigenten ist ihm nämlich kaum etwas zu entnehmen. Um so reichhaltiger und vor allem bemerkenswerter ist das, was Stert und sein Orchester bei einer Live-Aufnahme in der Leichlinger Aula am Hammer auf die glänzende Scheibe gebannt haben. Das Programm hat mit dem, was man üblicherweise bei Blasorchesterkonzerten zu hören bekommt, so gut wie nichts gemein.

Nicht ein einziger erfolgreicher Blasmusikkomponist der Gegenwart ist zu finden - sieht man einmal ab von Jan Koetsier. Das Konzert für vier Posaunen und Blasorchester des Gründervaters der modernen Blechbläser-Kammermusik findet im Quadriga Posaunenquartett und dem Orchesterverein bestens harmonierende Partner.

Vielmehr dominieren Bearbeitungen klassischer Werke den Tonträger. Das darf nun zu keinem falschen Schluss führen, handelt es sich doch um eine Produktion eines Musikverlages, der mit der CD seine Noten vermarktet. Mit anderen Worten: Die Stückauswahl ist weitestgehend vom Auftraggeber bestimmt und weniger vom Dirigenten. Einen besseren Interpreten als den Orchesterverein Hilgen hätte der Carpe Diem Musikverlag aber kaum finden können für die Adaptionen von Werken von Rossini, Ponchielli, Puccini, Brahms, Mahler und Strauß.

Natürlich leistet der Orchesterverein mit Uraufführungen und Kompositionsaufträgen auch einen Beitrag zur Bereicherung des zeitgenössischen Blasorchesterrepertoires. Natürlich finden sich auch Film- und Unterhaltungsmusik in seinen Notenmappen. Doch ein ausgewiesener Spezialist ist Stert für Bearbeitungen klassischer Orchesterliteratur. Seine langjährige Erfahrung mit Sinfonieorchestern, insbesondere an Opernhäusern, bürgt für stilsichere Interpretationen. Der mitunter zur Schicksalsfrage hochstilisierte Konflikt zwischen Original und Bearbeitung wird angesichts von Ergebnissen, wie sie die CD „Festliches Konzert" präsentiert, nachrangig. Vorrangig ist es, ohne Kompromisse im Qualitätsanspruch gute Musik gut zu musizieren. Dem Hilgener Blasorchester gelingt dies auch bei Werken, die nicht für Blasorchester geschaffen wurden, so exzellent wie wenigen.

Daniel Gramespacher, eurowinds, Ausgabe 5/2010

 
 

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