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2002
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2002
Eine Tradition lebt wieder auf
Kerzen flackern im Bläserwind
Ankerkette im Kirchenschiff
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Hier finden Sie die Presseartikel über den Orchesterverein aus dem Jahre 2002 Rechts können Sie die verschiedenen Anlässe direkt auswählen.

 


Eine Tradition lebt wieder auf

Der Orchesterverein Hilgen plant musikalische Uraufführungen. Den Auftakt macht "At the edge of the world".

Altenberg. Eine Premiere erwartet die Besucher am Sonntag im Altenberger Dom: Der Orchesterverein Hilgen (OVH) präsentiert am Sonntag um 20 Uhr die Uraufführung des Werks "At the edge of the world" des Salzburger Komponisten Wolfgang Florey. Es ist ein zeitgenössisches Werk für symphonisches Blasorchester, Mezzosopran und Kinderchor.
Im Mittelpunkt steht dabei das gleichnamige Gedicht des englischen Lyrikers Jeremy Adler. Komponist und Dichter gehören zu den Eherngästen des Abends. Es singt die Berliner Mezzosopranistin Ute Döring, die als Sopranistin am Kölner Opernhaus arbeitet. Begleitet wird sie vom Knabenchor des St. Ursula Gymnasiums in Brühl und dem Leverkusener Kinderchor.
Auch das "Urlicht" aus der zweiten Symphonie von Gustav Mahler wird in der Bearbeitung für symphonisches Blasorchester zu ersten Mal zu hören sein. Der ehemalige OVH Dirigent Johanns Stert hat das Lied erst in diesem Jahr für kleines Bläserensemble und Sopran arrangiert.
Außerdem steht Johannes Brahms Intermezzo Opus 118 auf dem Programm. Den Abschluss des Konzerts bildet die Orchesterfassung der "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgsky. Ursprünglich war das Werk als reiner Klavierzyklus komponiert, bis es von Maurice Ravel für das große Orchester instrumentiert wurde.
Das Konzert soll den festlichen Abschluss des musikalischen Jahres bilden. Das in diesem Jahr neu gewählte Vorstandsteam um den Vorsitzenden Wilfried Göckemeyer greift mit "At the edge of the world" eine Tradition wieder auf, die Anfang der 90er Jahre mit den Uraufführungen von "meditando" von Dirk Lötfering und Johannes Frisch' "Passacaglia" begonnen hatte.
Die Leitung des Konzerts hat Reinmar Neuner. Karten gibt es für zehn Euro (ermäßigt fünf Euro) bei allen Orchestermitgliedern und an der Abendkasse. Vorbestellungen sind im Internet unter www.ovhilgen.de möglich.

(Westdeutsche Zeitung, 05.12.2002)


Die Kerzen flackerten im Bläserwind

Trotz winterlicher Kälte war der Altenberger Dom voll besetz, denn der Orchesterverein Hilgen 1912 ist für seine hochkarätigen Aufführungen bekannt.

Von Dietlind Möller-Weiser

Diesmal standen im Programm der Burscheid-Hilgener Bläser Bearbeitungen im Mittelpunkt. Mahler, Brahms und Mussorgsky. Mit Mahlers "Urlich"-Satz aus der zweiten Symphonie wurde farbenreich und unter Reinmar Neuners Leitung ebenso präzise wie impulssicher eingeleitet: Hier ließ die Bearbeitung von Johannes Stert den fehlenden Streichersamt um das Altsolo durchaus verschmerzen. Die Mahler-Seligkeit endete ziemlich brutal: Wolfgang Floreys "At the edge of the world" auf einen Text von Jeremy Adler holte vom Himmel auf die Erde. Die volumenreich und sicher gestaltende Mezzosopranistin Ute Döring sowie Kinderstimmen des Knabenchors des St. Ursula Gymnasiums Brühl und des Leverkusener Kinder- und Jugendchores mussten einen ziemliche Textmenge bewältigen. Zäsuren setzte jeweils der - hervorragend von Nicole Dreibholz vorbereitete - Kinderchor. In relativ freier Tonalität lebt das Werk von leisen, fast depressiven Tönen, in denen kurze Lichter, auch mal Zitate, aufblitzen. Das Publikum reagierte zwiespältig: Etliche verließen den Dom, doch der Applaus war kräftig.
Ein Klavier Intermezzo von Brahms, op.118,2, überzeugte nicht. Die melancholischen Pastelltöne gingen in der dicken Instrumentierung etwas unter, dafür wurde die Schwierigkeit der exakten Bläser-Intonation selbst bei diesem Vorzeige-Ensemble offenbar. Einen ebenso temperamentvollen wie gediegenen Ausklang schafften Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung". Hier passten die Bläser-Farben. Die gekonnte Differenzierung in der Dynamik ließ die Kerzen auch mal im Bläserwind flackern.

(Kölner Stadtanzeiger 10.12.2002)


Ankerkette im Kirchenschiff

Der OVH konnte bei seinem Konzert eine Welturaufführung präsentieren - und brillierte.

Von Susanne Gippert

Altenberg. In der Vorweihnachtszeit kann sich der bergische Musikfreund zwischen den zahlreichen Aufführungen, die Chöre und Orchester der verschiedenen Gemeinden an den Adventswochenenden anbieten, kaum entscheiden. Wenn allerdings der Orchesterverein Hilgen einlädt, dann fällt die Auswahl offenbar leicht, wie man am Sonntagabend an den voll besetzten Kirchenbänken im Altenberger Dom sehen konnte. Das symphonische Blasorchester hatte ein Programm einstudiert, das Altbewährtes und Modernes, Poesie und Malerei, Profanes und Religiöses auf hohem musikalischen Niveau miteinander verband.
So begann das Konzert mit Gustav Mahlers (1860-1911) "Urlicht" aus der Gedichtsammlung "Des Knaben Wunderhorn", bewegend vorgetragen von der Mezzosopranistin Ute Döring, die unter anderem an der San Francisco Opera und am Opernhaus Köln Engagements hat. In der Symphonie Nr.2 c-moll "Auferstehung" nimmt das "Urlich" eine Schlüsselstellung ein, die Hoffnung und ein Leben nach dem Tod ausdrücken soll.
presse2002_1Von hier wurde der thematische Bogen gespannt zu einer Dichtung des englischen Lyrikers Jeremy Adler, "At the edge of the world", die von dem Hamburger Komponisten Wolfgang Florey (geb. 1945) vertont wurde und an diesem Abend zur Welturaufführung gelangte.
Mit einem gewaltigen Schlag, hervorgerufen durch das Niederrasseln einer Ankerkette (s. Bild), eröffnete das zeitgenössische Werk, um dann mit Glockenklängen und diversen Bläsern eine melancholische Stimmung in Szene zu setzen: "Tod schwang die Glocke. Ich hörte sein Läuten. Und der Wind zerrt an den Bäumen", heißt es in einer Strophe in deutscher Übersetzung.
Die Dramatik des englischen Textes setzte die Sopranistin Ute Döring gekonnt und gut verständlich in Szene, wenn man den Text parallel zur Hand hatte. Unterstützt vom Knabenchor des St. Ursula Gymnasiums Brühl und des Leverkusener Kinder- und Jugendchores, entstand das Klangbild einer Vision: Wie von Fern her tönen wehmutsvoll die Glocken, später kontrastiert von schwungvollen Marschtönen, mit denen die menschliche Freiheit beschworen wurde. Der Blick vom Rand der Welt dehnte sich aus in die Unendlichkeit von Raum und Zeit. Minutenlanger Applaus belohnte eine außergewöhnliche Leistung der Ausführenden, besonders auch die anwesenden Herren Adler und Florey, die ihre Arbeit kongenial umgesetzt sahen.
Nach dem "Intermezzo op.118 Nr.2" von Johannes Brahms (1833-1897), arrangiert vom ehemaligen OVH-Dirigenten Johannes Stert, das den melancholischen Charakter weiterführte, ging es zum Schluss in die Gemäldegalerie Modest Mussorgskys (1839-1881).
Schon bei der ersten "Promenade" der bekannten Orchesterfassung von Maurice Ravel (1922) waren die Zuhörer in den Bann gezogen und viele klopften den Takt mit. Der OVH erweckte die Bilder zum Leben, ließ hier den Gnom hinken, da die Kücklein heftig in ihren Eierschalen tanzen und begleitete dort die Baba Yaga auf ihrem Hexenritt. Nach insgesamt anderthalb Stunden führte Reinmar Neuner seine Musiker zu einem monumentalen Schlussbild zusammen, nach dem sich die Zuhörer nicht auf den Banken halten ließen: Donnernder Applaus für eine begeisternde Aufführung!

(Westdeutsche Zeitung, 10.12.2002)

 
 

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