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2002 - Ankerkette im Kirchenschiff
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2002
Eine Tradition lebt wieder auf
Kerzen flackern im Bläserwind
Ankerkette im Kirchenschiff
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Ankerkette im Kirchenschiff

Der OVH konnte bei seinem Konzert eine Welturaufführung präsentieren - und brillierte.

Von Susanne Gippert

Altenberg. In der Vorweihnachtszeit kann sich der bergische Musikfreund zwischen den zahlreichen Aufführungen, die Chöre und Orchester der verschiedenen Gemeinden an den Adventswochenenden anbieten, kaum entscheiden. Wenn allerdings der Orchesterverein Hilgen einlädt, dann fällt die Auswahl offenbar leicht, wie man am Sonntagabend an den voll besetzten Kirchenbänken im Altenberger Dom sehen konnte. Das symphonische Blasorchester hatte ein Programm einstudiert, das Altbewährtes und Modernes, Poesie und Malerei, Profanes und Religiöses auf hohem musikalischen Niveau miteinander verband.
So begann das Konzert mit Gustav Mahlers (1860-1911) "Urlicht" aus der Gedichtsammlung "Des Knaben Wunderhorn", bewegend vorgetragen von der Mezzosopranistin Ute Döring, die unter anderem an der San Francisco Opera und am Opernhaus Köln Engagements hat. In der Symphonie Nr.2 c-moll "Auferstehung" nimmt das "Urlich" eine Schlüsselstellung ein, die Hoffnung und ein Leben nach dem Tod ausdrücken soll.
presse2002_1Von hier wurde der thematische Bogen gespannt zu einer Dichtung des englischen Lyrikers Jeremy Adler, "At the edge of the world", die von dem Hamburger Komponisten Wolfgang Florey (geb. 1945) vertont wurde und an diesem Abend zur Welturaufführung gelangte.
Mit einem gewaltigen Schlag, hervorgerufen durch das Niederrasseln einer Ankerkette (s. Bild), eröffnete das zeitgenössische Werk, um dann mit Glockenklängen und diversen Bläsern eine melancholische Stimmung in Szene zu setzen: "Tod schwang die Glocke. Ich hörte sein Läuten. Und der Wind zerrt an den Bäumen", heißt es in einer Strophe in deutscher Übersetzung.
Die Dramatik des englischen Textes setzte die Sopranistin Ute Döring gekonnt und gut verständlich in Szene, wenn man den Text parallel zur Hand hatte. Unterstützt vom Knabenchor des St. Ursula Gymnasiums Brühl und des Leverkusener Kinder- und Jugendchores, entstand das Klangbild einer Vision: Wie von Fern her tönen wehmutsvoll die Glocken, später kontrastiert von schwungvollen Marschtönen, mit denen die menschliche Freiheit beschworen wurde. Der Blick vom Rand der Welt dehnte sich aus in die Unendlichkeit von Raum und Zeit. Minutenlanger Applaus belohnte eine außergewöhnliche Leistung der Ausführenden, besonders auch die anwesenden Herren Adler und Florey, die ihre Arbeit kongenial umgesetzt sahen.
Nach dem "Intermezzo op.118 Nr.2" von Johannes Brahms (1833-1897), arrangiert vom ehemaligen OVH-Dirigenten Johannes Stert, das den melancholischen Charakter weiterführte, ging es zum Schluss in die Gemäldegalerie Modest Mussorgskys (1839-1881).
Schon bei der ersten "Promenade" der bekannten Orchesterfassung von Maurice Ravel (1922) waren die Zuhörer in den Bann gezogen und viele klopften den Takt mit. Der OVH erweckte die Bilder zum Leben, ließ hier den Gnom hinken, da die Kücklein heftig in ihren Eierschalen tanzen und begleitete dort die Baba Yaga auf ihrem Hexenritt. Nach insgesamt anderthalb Stunden führte Reinmar Neuner seine Musiker zu einem monumentalen Schlussbild zusammen, nach dem sich die Zuhörer nicht auf den Banken halten ließen: Donnernder Applaus für eine begeisternde Aufführung!

(Westdeutsche Zeitung, 10.12.2002)



 
 

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