PhotoPhotoPhotoPhotoPhotoPhotoPhotoPhotoPhoto
2004 - Engellieder
Beitragsseiten
2004
Neujahrskonzert
Jahreshauptversammlung
Deutscher Orchesterwettbewerb
Serenadenkonzert
Engellieder
Alle Seiten

Mit engelgleicher Stimme

von Jan Sting

Der Orchesterverein Hilgen führte mit Johannes Stert im Altenberger Dom dessen „Engellieder“ auf.

Burscheid - In diesen Tagen rückt er wieder so ganz ins Zentrum der Konzertprogramme, wird von Zuhörerscharen bevölkert, die es nach musikalischer Klangfülle dürstet, wie den Hirsch nach frischen Wassern: Der Altenberger Dom scheint ein Inbegriff für Festlichkeit zu sein. Selbst die Baustelle ist hübsch anzuschauen, wirkt das ganze Szenario doch wie auf einem Bild des alten Meisters Pieter Breughel. Und so wird bei vielen Musikvereinen auch an gezuckerten Ave Marias aller Bearbeitungen nicht gespart. Denn dann gibt es garantiert Zugaben.

Nun waren die Kirchenbänke im Dom am Sonntag nicht einmal alle besetzt. Und es gab auch keine Zugabe. Trotzdem kommt die Architektur selten so zur Geltung wie bei diesen Tönen, die der Orchesterverein Hilgen unter dem Dirigat von Johannes Stert am Sonntag spielte. Eine durchdachte Dynamik, schlanke, aber kräftige Tonfarben und die besonnene Ruhe eines vertrauten Zusammenspiels machten den Konzertbesuch zu etwas Besonderem. Alle Register wurden in Arnold Schönbergs „Thema und Variationen opus 43 a“ gezogen, so dass es eine Menge zu hören und zu schauen gab. Nach wie vor wirkt Schönbergs Werk ungemein modern, während die „Sinfonia Sacra“ des 1921 im französischen Laon geborenen Désiré Dondeyne mitunter schon wieder an die Impressionisten erinnerte.

Eingangs und ausgangs standen Arvo Pärts „Fratres“ auf dem Programm. Zuerst in der Bearbeitung von Beat Brinner. Während die Mitglieder des Blasorchesters größtenteils schon auf ihren Plätzen saßen, spielte im hinteren Teil des Kirchenschiffs ein Bläseroktett wie aus dem Nichts. Das gleiche Stück hat Johannes Stert nun für ein ganzes symphonisches Blasorchester arrangiert, und das war dann am Schluss zu hören. Pärt stimmt in seinen Fratres auf die Tintinnabuli (Glöckchen) an. Für ihn, sagt er, sei es ein erstaunlicher Vorgang - die Flucht der Mönche in die freiwillige Armut. Mit dem Notwendigsten kommt auch die Komposition zurecht.

Stert, der sich mit Pärt befasste, hat auch eine Eigenkomposition in das Programm aufgenommen, die am dritten Adventssonntag in St. Michael in Köln uraufgeführt wurde. Es sind die „Engellieder“, die Vertonung zweier von insgesamt sieben Gedichten Rainer Maria Rilkes. „Engellieder“ - das klingt schlicht, kindhaft und anrührend. Gleichzeitig verpflichtet die Auswahl eines solchen Namens. Weckt er doch Erinnerungen an Alban Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ - an Manon Gropius-Mahler, die mit 18 Jahren starb.

Rilke lässt seinen Engel im Gedicht frei, nachdem er ihn lange nicht loslassen konnte. Enge und Zerrissenheit sind in den Liedern zu hören, zeitweise klingen sie wie ein Crash, dann kommen langsam tröstliche Töne. Engelgleich - der Soprangesang von Claudia Rohrbach. Stert hat sich mit Rilke einen Dichter ausgesucht, der sich nach Einschätzung des Literaturwissenschaftlers Rüdiger Görner, wie kein anderer der Moderne auf das Engelmotiv verstand. Die Komposition ist dem ebenbürtig.

(Kölner Stadtanzeiger, 21.12.2004)



 
 

Aktuelles

Serenadenkonzert

am 6.7.2019 um 19:30 findet wieder unser traditionelles Serenadenkonzert in der Kichenkurve in Burscheid statt

Lesen Sie mehr

Wir verwenden Cookies, um unsere Website und Ihre Eindrücke bei der Verwendung zu verbessern. Cookies, die für den grundlegenden Betrieb der Website verwendet werden sind bereits gesetzt worden. Fuer weitere Details schauen Sie bitte in unsere Datenschutzerklaerung.

Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite.
EU Cookie Directive plugin by www.channeldigital.co.uk