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2005 - Mozart fuer Blasorchester
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Blasorchester unterwegs auf filigranem Gelände

Von Thomas Wintgen

In Wermelskirchen bot der OVH ein exquisites Konzert, das mehr Publikum verdient hätte. Dirigent Stert steuerte die Bearbeitung einer Mozart-Kassation bei.

Wermelskirchen. Nicht ganz hundert Menschen folgten dem Orchesterverein Hilgen am Samstagabend ins Pädagogischen Zentrum des Wermelskirchener Gymnasiums. Das ist bedauerlich, war doch das OVH-Debüt auf unserem Stadtgebiet ein exquisites Konzert, welches das Publikum zum Teil mit stehenden Ovationen dankte. Bemerkenswert fand ich, dass bis auf zwei Ausnahmen von den Blasorchestern und Posaunenchören aus Wermelskirchen keine interessierten Musiker(innen) gekommen waren. Sie hätten ganz viel genießen und ziemlich viel lernen können von dem dreifachen Deutschen Meister OVH.

Das fängt schon damit an, dass - auch nach der Pause wieder - die einzelnen Register gestimmt werden, auf dem a' wie dem b'. Dann nimmt es auch nicht Wunder, dass zehn Klarinetten den gleichen Ton spielen und nicht neun Schwingungen davon entfernt.

Wie das schon bei dem fulminanten Auftakt zu hören war, der Ouvertüre zu König Blaubart von Jacques Offenbach, welche nach einem schönen Mittelteil im rasanten Galopp mündet. Die knapp 60 Musiker(innen) des sinfonischen Blasorchesters führten zum Teil - zumindest in dieser Umgebung -seltene Instrumente mit sich: Harfe, Akkordeon, Kontrabass. Englischhorn, Bassklarinette oder das Cimbasso, eine von Giuseppe Verdi eingeführte Bezeichnung für die Ventilbassposaune.

Dieser bedurfte es in dem Arrangement von Johannes Stert. Der OVH-Dirigent hat dazu die Kassation B-Dur (KV 99 bzw. 63a), von Wolfgang Amadeus Mozart 1769 für Streicher und je zwei Oboen und Hörner am Ende eines Studiensemesters geschrieben, bearbeitet. Cassatione heißt auf Italienisch Entlassung, und in der Musik bedeutet es so viel wie ein locker gereihtes Divertimento. Ohne das Original zu kennen, denke ich, dass Stert die Bearbeitung ganz gut gelungen sein muss. Und das war vor allem deswegen unverkennbar Mozart, weil Tutti- wie Solo-Stimmen geschickt übertragen sind, und weil es dem Blasorchester weitgehend gelang. sich hier auf kammermusikalisch filigranes Terrain zu begeben.

Ein Sonderlob Oboe, Saxofon und Trompete. Mozart wäre freilich nicht Mozart, wenn nicht auch ein solches Gelegenheits- werk eigentlich sauschwer ist: da nämlich, wo unterschiedliche Register höfische Eleganz zelebrieren, aber nicht hundertprozentig synchron ankommen.

Entschuldigung. das soll die einzige Beckmesserei gewesen sein. Sonst gab's ja auch an dem fast zweistündigen Konzert wahrlich nichts "auszusetzen". Auch nicht bei dem einzigen Werk des Abends, welches original für diese Besetzung geschrieben ist: dem dritten Satz aus der Third Symphony, die der Amerikaner James Barnes (56) für das Luftwaffen- Musikkorps der USA schrieb. Mit Erhalt des Auftrags starb seine Tochter, weshalb dieser Satz "For Natalie" heißt, von Stert sehr gefühlsbetont dirigiert.

Edler Auftakt im Seglerlied

Vom australischen Viel-Komponisten und - auch wie Mozart - Ex-Wunderkind Percy Aldridge Grainger (1882 -1961) stammt der Blumengruß ("Posy") Lincolnshire, eine Hommage an die britische Tradition der Volksliedersänger. Die Trompeten verschafften ihr einen edlen Auftakt im Seglerlied.

Diese Suite war ein wunderbares Lehrstück in Sachen Dynamik, wenn Johannes Stert große Steigerungen in dem Tragödien-Satz forderte und erhielt, wenn ihm das Orchester durch versetzte Rhythmen des jungen Matrosen folgte (Sonderlob der Klarinette am ersten Pult und der Tuba), wenn die Hörner nach einem Tutti-Fortissimo "stehen bleiben" und den roten Teppich fürs Holz auslegten. Der Schlusssatz kam nur deshalb so locker, weil er so diszipliniert war.

Auch eingedenk der Zugabe gab es wahrlich schöne "Rausschmeißer" am Ende. Zum Beispiel den munteren Country- Fiddler ("Hoe-Down"-Rodeo), das Finale aus den 1942 für ein New Yorker Ballett komponierten vier Tanz-Episoden. Diesem gingen ein ausgesprochen langsamer Samstagabend-Walzer sowie eine auch eher ruhige Nacht auf der Koppel voraus. Turbulent hingegen und sowohl schrill in der Melodieführung als auch exzentrisch im Rhythmus war zu Anfang der "Cowboy-Ferien"-Satz.

Das war große Klasse, und so ist auch die gelinde Enttäuschung darüber zu verstehen, dass die Menschen nicht nach Wermelskirchen fuhren. Durchs Programm führte im Übrigen Bernhard Heinl.

Johannes Stert ist, das war gut zu sehen, studierter Dirigent und seit vier Jahren 1. Kapellmeister an der Oper in Köln sowie Erster Gastdirigent an der Oper in Graz. Seit Juni ist er nach zweijähriger Pause wieder OVH-Dirigent.

Remscheider Generalanzeiger, Dienstag, 08.11.2005

 


 

 

Musikalische Kostbarkeiten

von Thomas Krumm

Mit einem abwechslungsreichen Programm voller musikalischer Kostbarkeiten gastierte der Orchesterverein Hilgen am Samstag im PZ des Gymnasiums. Zur Eröffnung gab es Jacques Offenbachs Ouvertüre zur Operette „König Blaubart“ – eine überraschend heitere Vorschau auf diese eigentlich finstere Geschichte im Walzer-, Polka- und Galopp-Rhythmus. Was natürlich Assoziationen an Offenbachs bekannten Can-Can weckte.

Das weiter Programm reichte von Mozart bis zum 1949 geborenen amerikanischen Komponisten James Barnes. Allerdings spielte das Orchester nicht einfach Mozart. Orchesterleiter Johannes Stert richtete die „Kassation in B“ für sinfonisches Blasorchester neu ein und sparte dabei nicht an  überraschenden und originelle Instrumentierungen: So wurden die Bläser von Harfe, Kontrabass, Cimbasso, Perkussion und vor allem einem Akkordeon unterstützt, was Moderator Bernhard Heinl mit der „Kurt-Weillschen Note“ umschrieb. Ein großes Vergnügen, welches das Publikum mit einem langen Beifall würdigte.

Alle weiteren Werke stammten von amerikanischen Komponisten und dem nach Europa ausgewanderten Australier Percy Grainger: Seine Komposition „Lincolnshire Posy“ nimmt musikalische Motive der britischen Volksliedsänger auf und geht bei der Umsetzung von Dorftragödie und Schlachtgetöse bis an den Rand schmerzhafter Lautstärken.

Vom Wechsel zwischen Orchesterklang und Einzelstimme ist der dritte Satz aus James Barnes’ 3. Sinfonie bestimmt, in dem der Komponist den Tod seiner Tochter musikalisch zu bewältigen sucht. Eine Einzelstimme, die vielleicht in tröstlicher Absicht immer wieder im Zusammenklang des ganzen Orchesters verschwindet. Auch in diesem Werk kam wie bei Mozart die Harfe zum Einsatz, das Instrument der Engel und der Jenseitshoffnung.

Zum Abschluss gab es wiederum ein Stück lautmalerischer Musik: Aaron Coplands humorvolle „Four Dance Episodes from Rodeo“. In der Tat sind bei diesem Werk Assoziationen an reitende und tanzende Cowboys und den dazu aufspielenden „Geiger“ nicht fern, wobei letzterer auch durch die Töne der Bläser hindurch vorstellbar blieb. Und so exzellent wie dieses preisgekrönte Orchester alles andere an diesem Abend bewältigt hatte, so wurde es auch mit den komplexen und mitreißenden Rhythmen von Coplands Ballett-Suite fertig.

Als Zugabe spielten die Musiker für die etwa 100 Besucher den obligatorischen „Spanischen Zigeunertanz“ – in Erinnerung an die eigenen Wurzeln, wie Johannes Stert mit einem Blick zurück bemerkte.

Für das Frühjahr 2006 hat das Orchester bereits weitreichende Pläne: Dann nämlich sollen sinfonische Tänze aus dem Musical „Westside Story“ und Friedrich Guldas Cello-Konzert bis zur Konzertreife einstudiert sein. Noch einmal wird Mozarts „Kassation“ zu hören sein – schließlich ist 2006 ein Mozart-Jahr.

Bergische Morgenpost, Dienstag, 08.11.2005

 



 
 

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