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2006
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2006
Konzert mit dem MGV
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Musikus Premiere
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Musikprojekt ausgezeichnet
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Hier finden Sie die Presseartikel über den Orchesterverein aus dem Jahre 2006. Rechts können Sie die verschiedenen Anlässe direkt auswählen.

 


So bunt wie Geschichte

Mit einem Festkonzert feierte der Männergesangsverein „Quartettverein Leichlingen Oberschmitte“ sein 80-jähriges Bestehen.

Leichlingen - Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Der Konzerttermin am 11. März fiel ziemlich genau auf den Tag der Gründung des MGV, nämlich am 17. März. Allerdings trennten die beiden Tage 80 ereignisreiche Jahre, ausgefüllt mit Chorgesang, verbunden durch unverbrüchliche Sangesbrüderschaften und im Geist fröhlicher Geselligkeit.

Dem Gründungsmotto „Im Liede froh, allzeit bereit zu Harmonie und Fröhlichkeit“ ist der Verein bis heute treu geblieben, als Mitglied in der großen Familie des Sängerkreises. Die Chronik, die zum 80-jährigen Bestehen des Gesangsvereins geschrieben wurde, liest sich wie ein ganz persönliches Tagebuch. Sie erzählt von großen und kleinen Auftritten, von Festen und Reisen, von musikalischen Höhepunkten und solchen aus dem Leben ihrer Mitglieder. MGV
So bunt wie die Vereinsgeschichte gestaltete sich auch das Festprogramm in der Aula „Am Hammer“ in Leichlingen. Die abschließenden Ehrungen, die Ulrich Burkert, der erste Vorsitzende des Vereins, vornahm hatten Symbolcharakter: großer Dank für große Treue und großen Einsatz.

Die Herren vom MGV hatten den „Orchesterverein Hilgen 1912“ als musikalischen Partner für ihre Jubiläumsveranstaltung gewonnen. Damit war für spannende Kontraste gesorgt. Die beiden Klangkörper setzten sich jeweils für sich in Szene und fanden auch in gemeinsamen Auftritten die jeweils richtigen Töne. A capella dirigierte Heinrich Witprächtiger den Chor, den er seit 25 Jahren erfolgreich leitet, durch das Liedgut, das von Männergesangsvereinen und ihren Liebhabern geschätzt wird. Für „Die Rose“, das „Kleine Frühlingslied“ und „Wer recht in Freuden wandern will“, mit denen sie schon beim ersten Deutschen Männerchor Festival erfolgreich waren, ernteten die Herren besonderen Applaus. Aber auch die orchesterbegleiteten Stück, wie der schmissige Marsch „Frei weg“ und die herzzerreißende „Post im Walde“ fanden begeisterte Zuhörer.

Orffs „In taberna“ - als effektvoller Endpunkt hinter vier Stücken aus dessen „Carmina“ - traf die Stimmung in der Kneipe ganz vortrefflich.

Die Vielseitigkeit und Qualität des „Orchestervereins“ unter Johannes Stert reicht von Offenbach über Fucik bis nach Lateinamerika. Die jungen Damen und Herren scheinen einfach alles zu können. Das bestätigten sie auch am nächsten Abend in der Opladener Festhalle. Am Sonntag zeigte sich der Orchesterverein von seiner sinfonischen Seite. Die „Third Symphony“ von James Barnes wird nicht umsonst als „die fünfte von Beethoven für Blasorchester“ bezeichnet. In diesem Genre hat das Ensemble dreimal den deutschen Meistertitel errungen. Rhythmische Genauigkeit ist ebenso gefragt wie zupackende Musikalität - Johannes Stert weiß, wie er seine Musikerinnen und Musiker zu solchem Spiel anregt. Dass sich die Burscheider um die Zukunft keine Sorgen zu machen brauchen, bewies der Nachwuchs: Niklas und Sven Haas, Lucas Lies und Tobias Otten ging die Puste nicht aus.


(Kölner Stadt-Anzeiger, Klaus Winterberg, vom 13.3.2006)

 


Komponist gab gleich Auskunft zu seinem Werk

Für die Opladener Stadthalle hatte der OVH ein überwiegend zeitgenössisches Programm zusammengestellt und überzeugte durch seine Klangvielfalt.

Leverkusen. zabelsterDer Orchesterverein Hilgen ist ein ausgezeichnetes sinfonisches Blasorchester, das unter der musikalischen Leitung von Johannes Stert wieder einmal ein großartiges Konzert aus seinem umfangreichen Repertoire gab. Noch am Vortag hatten die Musiker in Leichlingen ein völlig anderes Programm geboten.
Erweitert um Kontrabass, Perkussion und Harfe, hatte sich am Sonntag das Orchester, etwas beengt, auf der Bühne der Opladener Stadthalle eingefunden. Mit einer Ausnahme wurden Werke zeitgenössischer Komponisten aufgeführt. Einen davon bekamen die Zuhörer leibhaftig zu Gesicht: Der in Lüdenscheid lebende und in Düsseldorf lehrende Frank Zabel wurde auf der Bühne von Bernhard Heinl zu seiner musikalischen Entwicklung und zu dem hier aufgeführten Werk befragt.

Mit Zabels "Sinfonischen Variationen" über einen Marsch aus Prokofieffs "Liebe zu den drei Orangen" begann das Konzert. Die an Barockoder klassische Musik erinnernden Satzbezeichnungen standen hier für überaus lebendige moderne Musik, während die "Valse melancolique" nicht minder lebendig, aber in harmonischer Hinsicht fast traditionell komponiert schien. Die unterschiedlichen Klangfarben der Instrumentengruppen kamen, wie überhaupt bei allen Werken, wunderbar zur Geltung.

Auch das Stück "Windblitz" des 1941 geborenen Briten Derek Bourgeois stellte an das Können und die Sensibilität der Musiker hohe Anforderungen. Vom Sujet her vielleicht eine kleine Verneigung vor Beethoven; bisweilen hätte man mit diesem ausrufen mögen: "Freunde, nicht diese Töne!" Insgesamt aber war es trotz einiger kompositorischer Plattheiten ein fast synästhetisches Erlebnis.

Herzerwärmend und beeindruckend dann die Vorträge der vier jungen Teilnehmer und Preisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert": Unter Klavierbegleitung spielten Tobias Otten (Saxophon), Lucas Lies (Tenorhorn), Niklas Haas und Sven Haas (jeweils Posaune). Die Zahl der täglichen Übungsstunden, die ihre beachtlichen Leistungen erst möglich machten, lassen sich nur erahnen.opladen2
Das Hauptwerk des Abends war die 1994 komponierte "Third Symphony" von James Barnes. Der 1949 geborene amerikanische Komponist ist seit 1977 Professor an der Universität von Kansas. Während er im Jahr 1994 an seiner "Third Symphony" arbeitete, starb seine Tochter Natalie, und so widmete er ihr den dritten Satz des Werkes, "Mesto" überschrieben, was den traurigen und gedankenschweren Charakter dieser Musik bezeichnet.

Ein mutmachendes Geschehen dagegen, die Geburt seines Sohnes, spiegelt sich im Finale mit dem Hinweis "Allegro giocoso". Wie im "Mesto" leuchtet auch hier ein Choral auf, aber jetzt ist die Wirkung lieblich und ermutigend. Alle Facetten und Farben des Orchesters werden in diesem Werk überaus fantasievoll genutzt, nicht zuletzt die der Perkussion. Die schöne, originelle und auch vom geistigen Gehalt her anspruchsvolle Musik wurde kongenial dargeboten.

Nach dem langen und gewiss kräftezehrenden Konzert gab es noch eine Zugabe: den Walzer aus Schostakowitschs Jazz-Suite Nr. 2; wahrhaft rauschend, dekadent, russisch geprägt.

(Westdeutsche Zeitung, Almuth Masche, vom 14.3.2006)

 


Elefant wirbt trötend für die Blechbläser

Mit dem neuen Kinder- und Jugendprogramm Musikus will der Orchesterverein Hilgen in den Schulen den Nachwuchs begeistern.

Burscheid. "Auch wenn unser Orchester in der Region einen hervorragenden Ruf hat, dürfen wir uns keinesfalls darauf ausruhen. Gerade im Freizeitbereich gibt es beispielsweise durch Computer jede Menge Konkurrenz", sagt Johannes Stert, Dirigent des Orchestervereins Hilgen.

Man habe gerade im Bläserbereich Probleme, Nachwuchs zu finden. "Wir müssen etwas tun, um Kinder und Jugendliche wieder für Blasinstrumente und Musik im Allgemeinen zu begeistern." Umgesetzt werden soll dieses Ziel künftig durch das neue Kinder und Jugendprogramm Musikus. "Wir haben mit Musikpädagogen eine Veranstaltungsreihe speziell für den Nachwuchs konzipiert. Pro Jahr wird es ein bis zwei Termine geben, zu denen wir Kinder und Jugendliche einladen. Dazu arbeiten wir sehr eng mit den Grundschulen und der Musikschule zusammen", erklärt Stefan Willuweit.

"Ziel ist es, Kinder an die symphonische Blasmusik heranzuführen und mit Instrumenten vertraut zu machen. Sie sollen die Vielseitigkeit eines Orchesters hörend, sehend und musizierend erleben", sagt Willuweit. Als Logo hat Kinderbuchautorin Barbara Wasserhess einen Elefanten etwas umgestaltet. Mit einem Notenschlüssel als Schwanz und einem trompetenförmigen Rüssel wirbt er für den Orchesterverein. "Mit dem Namen und dem Logo wollten wir einen möglichst großen Wiedererkennungswert erreichen", erläutert Stert.

Die erste Musikus-Veranstaltung gibt es am 10. Juni um 15 Uhr in der Aula der Burscheider Hauptschule. Dort wird den Kindern zuerst ein kindgerechtes Werk präsentiert, bei dem sich die Charaktere der einzelnen Instrumente besonders gut erkennen lassen. Später dürfen die kleinen Gäste dann selbst mit Klanghölzern und Glöckchen ihre Musikalität spielerisch austesten. Im Anschluss stehen auch die Instrumente des Orchesters zum zwanglosen Ausprobieren zur Verfügung.

Beim Serenadenkonzert in der Kirchenkurve gibt es einen Tag später als besonderes Schmankerl gleich noch den ersten Auftritt der Kinder: "Sie sollen so ein Gefühl bekommen, wie es ist, in einem Orchester zu spielen, und dort etwas erleben, was ihnen lange in Erinnerung bleibt", sagt Stert.

Als weitere Musikus-Veranstaltungen sind am 3. Dezember ein Adventskonzert im Altenberger Dom und im Dezember 2007 "Hänsel und Gretel" für Blechbläser und Erzähler geplant.

18.05.06, Von Stephan Eppinger, Burscheid

Orchesterverein wirbt Nachwuchs

„Musikus“ lautet das neue Kinder- und Jugendprogramm des Orcherstervereins Hilgen (OVH).

Burscheid - „Hör hin - mach mit“. Unter diesem Motto hat Deutschlands „bestes symphonisches Blasorchester“, der Orchesterverein Hilgen (OVH), am Mittwochabend sein ambitioniertes Förderprojekt für den musikalischen Nachwuchs gestartet.

Bereits der programmatische Titel „Musikus“, den das OVH-Organisationsteam mit Julia Schottstädt, Barbara Wasserhess, Annette Willuweit, Johannes Stert und Stefan Willuweit ausgetüftelt hat, weist den Weg zum Notenschlüssel. Gewissermaßen der Ringelschwanz des pfiffigen Logos, ein buntes Fabelwesen mit Posaunenrüssel.

„Kompetenz und Phantasie“ sind die beiden Zauberwörter, mit denen der OVH Kinder ab fünf Jahren für die Musik begeistern will. Der mittlerweile fast ausbleibende Nachwuchs hat den OVH zu diesem „Paukenschlag“ eines speziellen Angebotes für Kinder bewogen. Johannes Stert: „Seit 16 Jahren bin ich dabei. Das Orchester konnte wachsen, doch nun kommt unsere Generation in die Jahre.“ Und: „Wir müssen endgültig etwas unternehmen.“

Die Ressourcensuche hat das kreative OVH-Musikus-Quintett (unter anderem aus Dirigent, Musikpädagogin und Designerin) detailliert ausgearbeitet: Spezielle wie regelmäßige „Musikus“-Veranstaltungen für und mit Kindern, aber auch Jugendlichen, werden in enger Abstimmung mit der Jugendmusikschule und den drei Burscheider Grundschulen durchgeführt. Die Ziele sind klar definiert: Die Kinder sollen Freude an der Musik empfinden, die Vielseitigkeit eines Orchesters erleben, selber musizieren und den Charakter eines Instrumentes erfahren sowie möglicherweise in der Musikschule lernen und später das Können beim OVH auf „hohem Niveau“ umsetzen.

Annette Willuweit: „Das alles geschieht unter kindgerechter wie musikpädagogischer Betreuung.“ Dazu Stert: „Wir möchten aber auch die Eltern hungrig auf Musik machen.“ Eine erste Gelegenheit dazu bietet der OVH mit der Startveranstaltung am Samstag, 10. Juni, in der Aula der Hauptschule mit dem Kinderkonzert „Hör hin - mach mit!“. Das künstlerische Ereignis von 15 bis 17 Uhr bietet für die ganze Familie neben musikalischen Leckerbissen viele Überraschungen rund um das Orchester und die Instrumente. Darüber hinaus locken Gewinn- und Ratespiele sowie lukullische Genüsse. Bereits am darauf folgenden Sonntag sind die Kinder auch auf dem Serenadenkonzert des OVH und der Musikschule in der Kirchenkurve zu hören.

Zu den weiteren Musikus-Veranstaltungen zählen das Kinder- und Jugendkonzert am 3. Dezember im Altenberger Dom mit einer Komposition von Johannes Stert sowie im Herbst 2007 die Aufführung von „Hänsel und Gretel“ für Blechbläser und Erzähler.

VON TIMM GATTER, 18.05.06, 20:21h, AKTUALISIERT 19.05.06, 12:29h, (KStA)

 


Musifant führt durchs Orchester

Mit rund 50 Teilnehmern erfüllte der Start für das Musikus-Projekt des Orchestervereins Hilgen alle Erwartungen. Die Kinder waren begeistert bei der Sache.

Instrumente-AusprobierenBurscheid. Als Musifant, das knallbunte Maskottchen mit einem trompetenförmigen Rüssel und einem Schwanz als Notenschlüssel, von einem Instrument zum anderen rollte, wurde es auf der Bühne ganz still. Nicht das Orchester hatte sich aus Gewohnheit dort niedergelassen, diesmal waren es die kleinen Besucher, die am Samstagnachmittag auf der Bühne der Hauptschulaula hockten und den Tönen des Orchestervereins Hilgen (OVH) gespannt lauschten.

"Hör hin, mach mit", lautete der Titel der ersten Veranstaltung des neuen Kinderund Jugendprogramms Musikus, das der Orchesterverein Hilgen vor kurzem ins Leben gerufen hat.

Und so zog Musifant, nachdem er mit den Kindern das Orchester mit einem heftigen Stampfen begrüßt hatte, zusammen mit Moderatorin Annette Willuweit durch die Aula und stellte die verschiedensten Instrumente vor. Zunächst stoppte er beim schrägen Saxofon, dann bei der Klarinette. Nach einem kurzen Solo sollten die Kinder den Charakter der Instrumente beschreiben.

"Von ganz langsam bis ganz schnell. Schleichend, auf vier Pfoten, das erinnert doch an ein Tier", gab Willuweit den Kids einen Tipp. "Katze", hallte es daraufhin durch die Aula. Mit dem Klang einer Trompete assoziierte ein Junge den Soldatenschritt und bei den hellen Tönen der Piccolo-Flöte stellten die Kinder fest: Sie ist frech und schnell.

Unsere Intention ist es, dass die Kinder vor allem den Klang der Instrumente kennen lernen und nicht nur auf das Aussehen achten", erklärt Mitorganisatorin Annette Willuweit. "Diese Spiele sollen eine Vorbereitung dafür sein, dass sie irgendwann die einzelnen Instrumente heraushören können."

Um genau das zu schulen, wurden die Kinder in einem weiteren Spiel in fünf Gruppen eingeteilt, bei der jeder Einzelne auf nur ein Instrument (Klarinette, Trompete, Saxofon, Piccolo-Flöte, Tuba) achten sollte. "Dadurch können die Kinder das Stück intensiver miterleben und den Gesamtorchesterklang kennen lernen."

Die Musiker des Orchestervereins ermöglichten den vielen jungen und älteren Besuchern vor und nach dem rund einstündigen Konzert erste Probestunden an den Instrumenten. Zum Mitmachen wurden die Kinder bei der Pizzicato-Polka animiert. Mit Klangtellern, Schellenstäben, Glöckchen und so genannten Egg-Shakern ausgestattet, durften die Kleinen Dirigent Johannes Stert musikalisch und rhythmisch unterstützen.musikusfoto3

Alle drei Burscheider Grundschulen sowie die Kindergärten waren im Vorfeld angeschrieben worden. Rund 50 Rückmeldung stimmten die Verantwortlichen beim OVH zufrieden, die mit der Aktion Musikus die Kinder für Blasinstrumente begeistern wollen. Gestern durften die Kids beim Serenadenkonzert in der Kirchenkurve gleich noch mal ihr musikalisches Feingefühl demonstrieren.

12.06.06, von Benjamin Schulz


Bläserwind durchweht die Kirchenkurve

Hunderte pilgern zum Serenadenkonzert des Orchestervereins Hilgen und suchen dort den Schatten der Bäume und Häuser. Den Musikus-Auftritt rettet ein Einbruch.

Burscheid. Das Publikum beim 3. Serenadenkonzert des Orchestervereins Hilgen (OVH) ist gespalten. Das hat nichts mit der musikalischen Leistung des dreifachen deutschen Meisters zu tun. Aber die Frühsommersonne schlägt in der Kirchenkurve eine Schneise zwischen Sonnenhungrigen und Schattenflüchtlingen. Der gähnend leere Raum dazwischen täuscht darüber hinweg, dass es sich wieder Hunderte nicht nehmen lassen wollen, Burscheids beste Bläser unter freiem Himmel zu genießen.

Serenadenkonzert20062003 und 2004 hatte Silke Löhr am Dirigentenpult gestanden, diesmal ist es wieder Johannes Stert. Der war auch hier in der Kirchenkurve schon einmal verabschiedet worden. Aber wie oft ist das jetzt eigentlich schon der Fall gewesen? Stert und der OVH können einfach nicht voneinander lassen und warum sollten sie auch?

Im gleißenden Sonnenlicht lassen die schwitzenden Musiker und ihr Dirigent wieder viele Facetten ihres gemeinsamen breiten Könnens aufblitzen: Bigband-Schmiss, hymnische Bläserwucht, tänzerische Walzerleichtigkeit ja, und dann dieser eine Satz aus dem Saxofonkonzert von Ronald Binge: "Romanze" heißt er und das Saxofon von Bernhard Heinl trägt uns für einen Moment fort an ferne Orte unserer Sehnsucht.

Dazwischen, vielleicht insgesamt ein bisschen viel, wird auch immer wieder geredet: Heinl führt mit Informationen zu den Stücken durch das Programm, Vorsitzender Martin Mudlaff umreißt den Vierfachzweck des Auftritts (Auftakt zum Kultursommer in der Kirchenkurve, Beitrag zum Stadtjubiläum, Teil 2 des Musikus-Projekts und Glückwunsch an den Ex-Dirigenten Berthold Haas) und gratuliert anschließend dem jetzt 80-jährigen Haas wie auch dem einstigen Kassenwart Günter Plasberg (75).

Später wird dann auch das Musikus-Projekt ausgiebig gewürdigt, das erst am Samstag gestartet war. Da ist der zweite Teil des Konzerts längst im Gange, eingeleitet vom Kinderund dann vom Jugendorchester der Musikschule, das fortan auch die Reihen des OVH ergänzt.SerenadeMusikus

Dass die Musikus-Kinder, wegen denen das Konzert in den Nachmittagsstunden angesetzt worden war, überhaupt mit dabei sein können, haben sie der Räuber-Hotzenplotz-Energie ihres Bürgermeisters zu verdanken. Denn ihre Rhythmus-Instrumente waren tags zuvor in der Hauptschule vergessen worden. Doch als das Missgeschick kurz vor Konzertbeginn bemerkt wird, lässt sich der Schlüssel zum Abschalten der Alarmanlage in der Schnelle nicht mehr auftreiben.

Aber Hans Dieter Kahrl schreckt nicht davor zurück, dennoch in die Schule einzudringen und dabei Alarm auszulösen. Die Wachund Schließgesellschaft hatte er allerdings vorher noch über seinen Plan informiert.

So wendet sich alles zum Besten, auch wenn das sonnenTel. ermattete Publikum beim Applaus vor den Zugaben den eigentlich angebrachten Enthusiasmus etwas vermissen lässt. Die Kirchenkurve hat im frischen Bläserwind trotzdem bewiesen, dass sie mehr kann als vor sich hin zu dämmern

12.06.06, Von Ekkehard Rüger

 

Sommer, Sonne, Serenade

Dem dritten Open-Air-Konzert des Orchestervereins Hilgen lauschten Hunderte von Besuchern.Trotz gleißender Sonne spielten die Musiker des Orchestervereins Hilgen in der Kirchenkurve eine gelungene Serenade.

Burscheid - Von der Leichtigkeit der Musik lebte das dritte Serenadenkonzert des Orchestervereins Hilgen (OVH) am Sonntagnachmittag in der Kirchenkurve - und vom Können und Temperament seiner Musiker. Zwar brachte das erste Stück, Bruchmanns „Tanzende Fontänen“, dem zahlreich erschienenen Publikum kaum Kühlung in praller Sonne. Doch erging es den Besuchern, die keinen schattigen Platz ergattert hatten, nicht besser als den Musikern - der bestens gelaunte Johannes Stert dirigierte mit Sonnenbrille.Serenade20062
Mehrere hundert Zuhörer in leicht-duftiger Sommerkleidung waren der Einladung zu Burscheids Naturbühne gefolgt. Mit der ausgeklügelten Mischung aus Klassik, Moderne, Jazz, Flamenco und Marsch versetzte der OVH seine Gäste in eine regelrechte Urlaubsstimmung. Das konnten selbst die hin und wieder durch die gesperrte Kirchenkurve sausenden Radler nicht ändern. Der Vorsitzende Martin Mudlaff erinnerte beim Auftakt zum „Kultursommer in der Kirchenkurve“ an die Premiere des integrierten „Musikus-Projektes“ - die Kinder spielten später mit dem OVH unter großem Beifall auch die „Pizzicato Polka“ von Johann und Josef Strauss.

Instrumente vergessen

Dass die Mädchen und Jungen ihre bei der Musikus-Veranstaltung in der Hauptschule vergessenen Rhythmus-Instrumente präsentieren konnten, verdankten sie der raschen Hilfe des ersten Bürgers der Stadt: Hans Dieter Kahrl sorgte unkonventionell für die rechtzeitige Wiederbeschaffung. Ebenfalls nach der Pause zeigte das Jugendorchester der Musikschule, dass es sich zu Recht als Talentschmiede für den OVH verstehen kann. Neben Mudlaff sorgte Saxofonist Bernhard Heinl für erklärende Zwischentexte.

Stehenden Beifall gab's und als Zugabe einen herrlichen „Florentiner Marsch“. Als die Zeit für kühle Getränke begann, lobte der Bürgermeister den OVH als „Geschichte, die fortgeschrieben werden muss.“ Umlagert auch Johannes Stert: Der war vor einigen Jahren in der Kirchenkurve als Dirigent verabschiedet worden - zu früh.

(KStA) VON TIMM GATTER, 12.06.06, 18:23h, AKTUALISIERT 13.06.06, 09:41h

 

Blumen für Berthold Haas, den Profi aus der Musikstadt

Der große Blumenstrauß und die Elogen des OVH-Vorsitzenden Martin Mudlaff zu Beginn des Serenadenkonzertes am Sonntag galten dem langjährigen Impresario des Vereins, Berthold Haas. Der vieljährige Dirigent wurde am Samstag 80 Jahre alt. Der ehemalige Profi-Tubist des WDR-Sinfonieorchesters brachte den Posaunenchor auf die Spur der sinfonischen Blasmusik. Die zählt heute zum Hauptbestandteil des Repertoires, mit dem der OVH mittlerweile dreifacher Deutscher Meister wurde.

Seit vielen Generationen steht in der Familie Haas die Musik im Mittelpunkt. So zählte Berthold Haas' Vater, der Kontrabassist Otto Haas, zu den Gründern des OVH. Der Jubilar studierte Anfang der 1940er Jahre Kontrabass als Hauptfach an der Musikhochschule Köln. Eine schwere Kriegsverletzung zwang ihn später zum Wechsel zur Tuba als Hauptinstrument. 1947 trat er dem damaligen Sinfonieorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) bei. Bis 1986 spielte der Berufsmusiker dort unter so bekannten Dirigenten wie Karl Böhm, Hans Knappertsbusch, Eugen Jochum, Georg Solti und Günter Wand. Daneben fühlte er sich der heimischen Musikpflege verpflichtet - gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden Ernst Haas und Lothar Kretzer legte er die Weichen für die überregionale Bedeutung des Laienorchesters.

Sein besonderes Engagement galt ebenso der Jugendmusikschule. Talentierte Nachwuchsmusiker waren überproportional bei „Jugend musiziert“ erfolgreich. Andere schlugen die Laufbahn als Berufsmusiker ein. Dass sich Burscheid als „Musikstadt des Bergischen“ versteht, ist mit ein Verdienst von Berthold Haas.

(KStA) ERSTELLT 13.06.06, 09:40h, von Tim Gatter

 


BURSCHEID



Der Opa des Superstars ist dem OVH lieber

Für eine knappe Woche weilten die Hilgener Blasmusiker in Österreich, spielten bei der Mid Europe und in Salzburg und knüpften neue Kontakte.

Burscheid. Wer um alles in der Welt ist der Orchesterverein Hilgen? In Burscheid kann man sich mit dieser Frage blamieren. Auch innerhalb Deutschlands haben die sinfonischen Blasmusiker durch ihre drei Meistertitel längst einen Ruf in der Szene. Aber im Ausland wäre der OVH gerne bekannter für seine ganz eigene Art der Bearbeitung klassischer Werke und sein breites musikalisches Spektrum.

Umso erwartungsfroher machten sich rund 70 Musikerinnen und Musiker in der vergangenen Woche mit dem Bus auf den Weg in die Steiermark. Dort, bei der Mid Europe, einem renommierten Festival für sinfonische Blasmusik, war ihre Bewerbung um einen Auftritt im musikalischen Rahmenprogramm auf offene Ohren getroffen. Nicht nur Vereinsvorsitzender Martin Mudlaff freute sich darauf, "unser spezielles Programm im Ausland einem Fachpublikum vorzustellen und zu diskutieren".Mirabell_web

Aus dieser Sicht betrachtet, war der zentrale Festivalauftritt in Schladming im Nachhinein "ein bisschen enttäuschend". Das Konzert des OVH in der Dachstein-Tauern-Halle war schon zur ungünstigen Mittagszeit angesetzt, zudem gab es noch zwei Parallelveranstaltungen. "Vielleicht waren 150 Zuhörer da, aber in die Halle hätten gut und gerne dreimal so viele reingepasst", blickt Mudlaff zurück.

Wenn der Vorsitzende unter dem Strich dennoch ein positives Fazit zieht ("Wenn man ins Gespräch kommen will, muss man sich zeigen"), dann hat das unter anderem auch mit zwei interessanten neuen Kontakten zu tun. Zum einen war da der 78-jährige bayerische Komponist Hermann Regner. Er zeigte sich vom Orchesterklang des OVH angetan, sprach Dirigent Johannes Stert an "und es kann gut sein, dass wir mal zusammenarbeiten werden und ihn hierher einladen", kündigt Mudlaff an.

Dass Regner nicht nur von 1963 bis 1982 Mitarbeiter von Carl Orff war, sondern auch noch Großvater von Tobias Regner ist, dem diesjährigen Gewinner der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar", ist Mudlaff nur eine schmunzelnd vorgetragene Randbemerkung wert. "Wir bleiben lieber bei dem Opa."

Weiterer wichtiger Kontakt: Der Chefredakteur von "Musik zum Lesen", der Zeitschrift für sinfonische Blasmusik im deutschsprachigen Raum, ließ sich in Schladming vom OVH begeistern und kündigte gleich für eine der nächsten Ausgaben ein Orchesterportrait an.

Ansonsten beließ es der OVH natürlich nicht nur bei dem einen Auftritt: Es gab ein Openair-Konzert in der örtlichen Fußgängerzone, die Beteiligung an einem Workshop, einen Miniauftritt für den bäuerlichen OVH-Gastgeber ("So gut waren wir noch nie untergebracht") und schließlich zum Abschluss noch ein Konzert unter freiem Himmel vor historischer Kulisse: im Garten von Schloss Mirabell in Salzburg. Mudlaff: "Das war eigentlich das schönste Konzert der ganzen Reise."

Für den Verein war die Österreichtour finanziell eine große Anstrengung, weil die Kosten für die engagierten Aushilfen übernommen werden mussten; rund 6000 Euro kostete das die Vereinskasse. Allerdings profitiert der Verein auch immer wieder: "Das Schöne ist, dass viele als Aushilfe mitfahren und als Freunde und bestenfalls als Mitglieder zurückkommen. Das war auch diesmal so: Wir werden einige wiedersehen", freut sich der OVH-Vorsitzende.

Ein Andenken hat das Orchester auch mitgebracht: Auf der Musikinstrumentenmesse der Mid Europe fiel das Auge des Vorstands auf eine dicke Trommel für den Orchesterbestand: "Die war so fantastisch, da haben wir einen Messepreis rausgeschlagen und sie direkt eingepackt."

22.07.06, von Ekkehard Rüger (WZ)


Mit Tuba und Traktor nach Schladming

Der OVH nahm mit 70 Musikern an der „Mid-Europe“ in Schladming und Salzburg teil. Für 2009 ist wieder eine Brasilientournee geplant.

Burscheid - Der Volksmund hat schon recht: Der Ton macht die Musik. Und die Musik stand für eine Woche im Mittelpunkt beim internationalen Festival „Mid-Europe“ in österreichischen Schladming. Erstmals mit dabei waren 70 sinfonische Blasmusiker - davon fünf Aushilfskräfte - des Orchestervereins Hilgen. „Ich denke, dass unser Repertoire mit Mozart, Brahms, Grainger und Eigenkompositionen sehr gut angekommen ist“, sagten am Donnerstagabend übereinstimmend der Vorsitzende Martin Mudlaff und sein Vorstandskollege, der Musikpädagoge Bernhard Heinl.

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So zeigte sich unter anderem der Chefredakteur des deutschen Fachmagazins „Musik zum Lesen“ vom dreifachen deutschen Titelträger als bestes sinfonisches Blasorchester derart angetan, dass er für die nächsten Ausgaben ein großes Orchesterportrait über die Hilgener plant. Die ganz spezifische, sicherlich auch durch den Dirigenten Johannes Stert geprägte Klangfärbung des Orchesters überzeugte nicht nur den Musikredakteur, sondern auch das Publikum. Heinl: „Die Mozart- und Brahms-Arrangements von Johannes Stert bis hin zu dem von ihm angeordneten Einsatz exotischer Instrumente wie etwa das Kontrafagott spiegeln die Seele des Orchesters wider.“

Die Seele des OVH war bereits bei der von Verkehrsstaus unterbrochenen Anreise im Doppeldeckerbus nach Schladming spürbar. „Wir hatten nie Langeweile“, sagte Mudlaff. Als Lohn der langen Reise traf das Ensemble in einem kleinen Ort bei Schladming auf ausgesprochen liebenswerte Gastgeber, die dort Landwirtschaft betreiben.

Weil eine Holzbrücke für Bus und Gepäckanhänger nicht stabil genug war, kam der Hausherr eigens mit seinem Traktor zu Hilfe. Und weil der Aufenthalt („Der einzige bekannte Schnarcher erhielt ein Einzelzimmer“) „so schön war wie selten zuvor“, spielte der OVH zum Abschied ein Ständchen mit dem „Florentiner Marsch“. Dazwischen lagen die mehr oder weniger visionären Klangwelten unter anderem des OVH, des Radioblasorchesters Leipzig sowie der Landesblasorchester Salzburg und Baden-Württemberg, mit Galakonzerten in der „akustisch vorzüglichen“ Dachstein-Tauern-Halle, Freilicht-Konzerten in der Fußgängerzone von Schladming und auf Schloss Mirabell in Salzburg sowie Workshops, Diskussionen und Begegnungen - darunter auch mit dem Komponisten Hermann Regner aus Bayern.

Mit ihm kann sich der OVH eine Zusammenarbeit vorstellen. Vielleicht auch in Burscheid. Dann aber nicht in drei Jahren. Wie zu hören war, plant der OVH 2009 seine nächste Brasilien-Tournee.

24.07.06, von Timm Gatter (KStA)


Neubürger: Von Luxemburg ins Bergische der Musik wegen

Seit Ende Juli lebt Familie Perthel in der Lindenstadt. Der BV begleitete die Neubürger bei ihrem Alltag in der neuen Wahlheimat.

Burscheid. Als sehr freundlich haben Magali und Klaus Perthel den Service im Bürgerbüro empfunden: Zusammen mit ihren beiden Söhnen Aurel (5) und Tibor (2) ist das Paar Ende Juli von Luxemburg nach Burscheid gezogen. "Vor etwa einem Jahr habe ich per E-Mail um Informationen über die Stadt gebeten. Wir haben eine nette und ausführliche Antwort erhalten", berichtet Klaus Perthel.

Einer der Gründe, warum die Familie Burscheid als neuen Wohnort gewählt hat, besteht in den drei Buchstaben OVH, die für den Orchesterverein Hilgen steht, in dem Klaus Perthel seit Jahren spielt. Nicht nur wegen der Musik sei das Orchester "sehr, sehr wichtig". Es hätten sich daraus auch viele Freundschaften ergeben, berichtet Magali Perthel. So verwundert es nicht, dass Klaus Perthel zusammen mit einem anderen Musiker im erst halb fertig eingerichteten Wohnzimmer ein Duett für die Hochzeit eines weiteren Orchestermitglieds einübt.

Neben dem OVH sprach auch die Nähe zu Dabringhausen für die neue Wahlheimat. Dort lebt Klaus Perthels Vater. Außerdem ist die Nähe zu Köln wichtig, denn, von dort ist die schnelle Zugverbindung nach Paris gesichert. "Ursprünglich komme ich aus Paris. Meine Eltern haben bis vor kurzem noch da gewohnt, sind jetzt aber nach Südfrankreich gezogen", erläutert die Französin.

Bereits seit zweieinhalb Jahren pendelt Klaus Perthel zwischen Luxemburg und dem Bergischen Land hin und her aus beruflichen Gründen und weil seine Mutter sehr krank war. "Wir haben eigentlich noch nie richtig zu viert gewohnt, wenn man von den Wochenenden absieht", so Magali Perthel. Dieser Zustand sollte nun ein Ende haben.

Wobei ihr dieser Schritt nicht leicht gefallen ist: "Ich habe in einem Unternehmen gearbeitet, das spezielle Tanzböden anbot. Der Job war sehr interessant." In Luxemburg, wo der Lifestyle eher französisch als deutsch sei, ging Tibor in den Kindergarten und Aurel bereits in die Schule.

"Ebenso wie in Frankreich ist es normal, dass die Kinder schon ab drei Monaten in die Krippe gehen können. Ab vier bis sechs Jahre ist es Pflicht, dass sie in eine Vorschule gehen, bevor dann für sie mit sechs die Schule beginnt", erklärt Magali Perthel, die den deutschen Begriff Hausfrau nicht mag: "Im Französischen heißt das Mère au foyer. Foyer war früher der Raum, wo das Feuer brannte, wo es gemütlich ist. Dieser Begriff ist für mich positiver belegt, als der Deutsche."

Sie sei gerne Mutter, aber lege aber auch Wert darauf wieder berufstätig sein. "Das dauert sicherlich noch etwas. Zunächst müssen wir uns hier einrichten." Sehr froh ist sie darüber, dass Aurel bereits in die "Arche Noah" gehen kann. Tibor hingegen muss sich noch bis Januar gedulden, bis er auch einen Kindergartenplatz bekommt.

Als Klaus Perthel seiner Frau das Haus an der Altenberger Straße gezeigt hat, war sie davon gleich angetan. "Wir wollten gerne ein altes Haus haben, denn es hat eine Seele und es hat eine Geschichte. Dieses hier wurde 1914, als der Krieg anfing, gebaut und blieb über drei Generationen in derselben Familie. Jetzt haben wir es gekauft, eine deutsch-französische Familie. Das ist für mich ein schönes Zeichen, dass Frieden möglich ist", freut sich Magali Perthel, die mit ihren Söhnen französisch spricht. Die Familiensprache ist aber deutsch.

Zwar haben die Perthels acht Jahre in Luxemburg gewohnt, aber dort sei es schwer gewesen, sich zu integrieren. "In Deutschland ist das Vereinsleben viel stärker ausgeprägt als in Frankreich und Luxemburg", sagt Klaus Perthel. "Na, klar, wir Franzosen sind abends zu müde, weil wir so viel arbeiten", neckt seine Frau. "Ihr seid zu müde, weil ihr so viel esst", entgegnet er augenzwinkernd.

Mit dem Essen in Deutschland kann sich die Französin aber nicht so richtig anfreunden. Sie vermisst die langen Fischtheken sowie die ansprechende Präsentation der frischen Waren. "In Luxemburg ist es wunderbar, Essen zu kaufen. Wenn man auf den Markt geht, da strahlt einen der Salat nur so an", pflichtet ihr Mann ihr bei. Magali Perthel will künftig auch in den hiesigen Hofläden kaufen: "Da bekommt man Produkte aus der Region. Ich bin zwar europäisch, aber auch sehr regional."

18.08.06, von Constanze Nieder (WZ)


Erfolgreiche junge Musiker

Musikus-Programm des Orchestervereins Hilgen ausgezeichnet

"Musikus" heißt das neue junge Programm des Orchestervereins Hilgen, dessen Auftaktveranstaltung "Hör hin - mach mit" im Juni dieses Jahres in Burscheid stattgefunden hat.

Mit eben dieser Veranstaltung hatten sich der OVH und die Musikschule Burscheid beim Wettbewerb Sparda-MusikNetzwerk beworben. Das Sparda-MusikNetzWerk ist ein Kooperationswettbewerb der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Musikschulen in NRW und der Arbeitsgemeinschaft Laienmusik im LandesMusikRat NRW. Der Wettbewerb verfolgt das Ziel, die kulturellen, sozialen und integrativen Wirkungen von Kooperationsprojekten zwischen Musikschulen und Laienmusikvereinen regelmäßig zu unterstützen und innovative Projekte auf diesem Gebiet zu initiieren.

In vier Kategorien ("Nachwuchs": Gewinnung neuer Zielgruppen aus allen Altersstufen; "Begegnung": Kommunikation und Begegnung verschiedener Kulturen und Generationen; "Kulturleben": Bereicherung des Kulturlebens vor Ort sowie "Innovationsfeld Schule": Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen) wurden im Jahr 2006 Preise verliehen. Die Jury setzte sich aus Fachleuten der Bereiche Wissenschaft, Musik, Kultur und Politik sowie Vertretern der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West, des LVdM NRW und des Landesmusikrates NRW zusammen.

Das Konzept des OVH überzeugte die Jury, so dass sie der Burscheider Kooperation im Bereich Nachwuchs den mit 1.000 Euro dotierten ersten Preis verlieh. Die Jury begründete Ihre Entscheidung wie folgt: "Mit dem Ziel, Kinder an symphonische (Blas-)musik heranzuführen, sie mit einem Orchester und seinen Instrumenten vertraut zu machen und somit Nachwuchs für Musikschule und Orchester zu gewinnen, wurde in Burscheid ein professionelles Konzept der Musikvermittlung für Kinder und Jugendliche entwickelt. Bestehend aus einem Kinderkonzert, einem Jugendkonzert und einer szenischen Aufführung, an der jeweils auch Kinder aktiv beteiligt werden, startete das Programm "Musikus" im Sommer dieses Jahres. Das Konzept überzeugte die Jury nicht nur inhaltlich, sondern auch durch eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit, hinter der eine durchdachte Kommunikationsausrichtung steht. Das Zusammenwirken von Hören, Sehen, Erleben und Musizieren sowie die Einbindung Neuer Musik in die Programme für Kinder würdigt die Jury mit diesem Preis."

Kürzlich fand im Stadttor in Düsseldorf die feierliche Preisverleihung statt.

Die Planung für die nächste Musikus-Veranstaltung ist schon in vollem Gang: Am 3. Dezember um 19.30 Uhr heißt es im Altenberger Dom "Aus der Stille". Ein Programm diesmal für Schulkinder und Jugendliche aus Mittel- und Oberstufe. Wie Annette Willuweit, Musikpädagogin und Musikus-Team-Mitglied verriet, werden neben dem OVH, den Orchestern der Musikschule und zahlreichen Schülern auch sehr namhafte Solisten dabei sein.

4. Oktober 2006, Lokale Informationen

Orchesterverein Hilgen: Jazzgröße nimmt sich Zeit für den Nachwuchs

Am 1. Advent tritt der OVH in Altenberg auf. Eine Woche vorher können sich Jugendliche in einem Musikus-Workshop auf ihre Beteiligung vorbereiten.

Burscheid/Altenberg. Unter dem Titel "Weihnachtsklänge" gastiert der Orchesterverein Hilgen am Sonntag, 3. Dezember (1. Advent), ab 20 Uhr im Altenberger Dom und konnte für das Konzert auch international bekannte Solisten verpflichten. Das Hauptwerk des Abends, die Komposition "Aus der Stille" von Johannes Stert, vereint OVH und Jugendblasorchester, Gesang, Soloinstrument, Zusatzorchester, Rezitation und Sprechchor.C. Puntin
Im Rahmen des OVH-Nachwuchsprojektes Musikus richtet es sich neben den Erwachsenen dieses Mal nicht an Klein- und Grundschulkinder, sondern an Jugendliche im Alter von etwa 14 bis 16 Jahren. Am Sonntag vor dem Konzert (26. November, 14.30 bis 17 Uhr) sind alle Jugendlichen, die ein Streich- oder Blasinstrument spielen, zur Teilnahme an einem Orchesterworkshop in der Hauptschulaula auf dem Schulberg eingeladen.

Unter Mitwirkung des Schweizer Klarinettisten Claudio Puntin wird hierbei "Aus der Stille" von Johannes Stert einstudiert. Puntin, der im Konzert den Part der improvisierenden Solo-Klarinette übernimmt, gehört weltweit zu den anerkanntesten Jazz-Klarinettisten.

Als Solist gewann er im Jahr 2004 den renommierten WDR-Jazzpreis und arbeitete mit so bekannten Ensembles wie der WDR-Bigband, dem Ensemble Modern, dem Orchester des Bayerischen Rundfunks, dem Zürich Philharmonic Orchestra und der NDR-Bigband zusammen.

Jugendliche, die am Workshop mit Claudio Puntin teilnehmen wollen, können sich per Mail ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) oder telefonisch bei Annette Willuweit (Telefon 02174/78 42 93) anmelden.

Neben Claudio Puntin ist eine weitere, international bekannte Solistin an dem Konzert beteiligt: Ute Döring, Mezzosopranistin aus Berlin, war Ensemblemitglied an verschiedenen Opernhäusern (u. a. Köln und Dortmund) und ist zurzeit am hessischen Staatstheater engagiert. Gastspiele führten sie an so bekannte Häuser wie die San Francisco Opera und die Mailänder Scala.

Neben ihrem Auftritt in "Aus der Stille" singt sie "Im Abendrot" aus "Vier letzte Lieder" von Richard Strauss. Weihnachtliche Lieder zum Mitsingen für alle Konzertbesucher runden das Programm ab.

Eintrittskarten zu zwölf und sechs Euro (ermäßigt) gibt es bei allen Orchestermitgliedern, in der Buchhandlung Ute Hentschel, im Schreibwarengeschäft Schütze & Birnhoff, in der Bäckerei Kretzer, an der Abendkasse und im Internet.

18.11.06, Burscheid



Stille1Uraufführung von "Aus der Stille": Musikalische Botschaft aus der Innenwelt eines Autisten

Für sein Werk "Aus der Stille" hat OVH-Dirigent Johannes Stert Texte von Birger Sellin interpretiert. In Altenberg war die Uraufführung zu hören.

Altenberg. Waren es die angekündigten "Weihnachtsklänge" oder die gespannte Erwartung einer Uraufführung eines Werks von Johannes Stert, was die Besucher in Scharen anzog? Der Altenberger Dom war bis auf den letzten verfügbaren Stuhl besetzt beim Konzert des Orchestervereins Hilgen (OVH). Der OVH wurde verstärkt durch ein Zusatzorchester von 25 jungen Instrumentalisten aus Burscheid und Umgebung.
Die jungen Musiker waren zuvor im Rahmen von "Musikus", einer bereits prämierten Konzert- und Veranstaltungsreihe des OVH für Kinder und Jugendliche, in einem Workshop mit dem Werk vertraut gemacht worden. Erfreulich viele junge Menschen waren auch unter den Zuhörern.

Adventlich begann das Konzert mit einer von Johannes Stert, dem Dirigenten des OVH, arrangierten Fassung des Choralvorspiels "Nun komm der Heiden Heiland" von Johann Sebastian Bach: feierlich und getragen, mit weichem, warmem Ton und ausgefeilter Dynamik schwelgten die Musiker in den modernisierten barocken Tönen. (...)
Die dann vorgesehenen Weihnachtslieder zum Mitsingen trafen zunächst auf ein eher schüchternes Publikum, obwohl alle Texte im Programmheft ausgedruckt waren. Erst nach und nach trauten sich auch die Zögernden und der Dom füllte sich mit weihnachtlichen Klängen.

In seinen Begrüßungsworten hatte der OVH-Vorsitzende Martin Mudlaff die Hoffnung ausgesprochen, diese Lieder möchten die Herzen öffnen für das nachfolgende Werk "Aus der Stille" von Johannes Stert. Der Wunsch ging in Erfüllung:
Ein ergriffen lauschendes Publikum ließ sich mitnehmen in die Innenwelt des autistischen, stummen Autors Birger Sellin, dessen verwirrende Texte Johannes Stert in beeindruckender Weise musikalisch interpretiert hat.Stille2
Die zunächst von Beate Schwarzbauer und Klaus Lehmann gesprochenen Texte (vom Komponisten aus mehreren Büchern Sellins zusammengestellt) beleuchtet und illustriert das Orchester: Da kommen Töne wie von ferne aus den Tiefen einer Seele wie gehaucht über pochenden Schlägen, da weht es wie Wind oder fließt wie Tränen, explodiert in knallendem Schlagzeug bei dem Wort "Angst" , knistert, murmelt und vollendet sich in Wohlklang.
50 Schüler der Waldorfschule Köln deklamierten und skandierten Texte in einem Sprechchor mit beeindruckender Perfektion, und der Klarinettist Claudio Puntin, der zusammen mit Johannes Stert den vorbereitenden Musikus-Workshop geleitet hatte, überhöhte die Musik mit seinen expressiven Improvisationen, in die er das nun ebenfalls improvisierende Orchester mit einbezog.

Da glitzerten die Töne der hohen Klarinette, da brummte, seufzte und klagte die Bassklarinette, und staunend hörte man, wie ein Einzelner auf der Klarinette zweistimmig spielen und auf seinem Instrument registrieren kann wie auf einer Orgel. Einen Klangteppich breitet das Orchester darunter aus, der in einem Dur-Akkord endet und vom Vogelgezwitscher des Klarinettisten begleitet wird. Mit dem Gebet "Lieber Gott, danke dass Du gekommen bist", von Eric Emmanuel Schmidt rührte der achtjährige Julius Langer die Herzen der Zuhörer, bevor ein Zitat aus Felix Mendelssohn Bertholdys Oratorium Elias: "Befiel du deinen Engeln" im Arrangement von Johannes Stert den hoffnungsschimmernden Schluss bildete.

Mit lang anhaltendem Beifall bedachten die Zuhörer den Komponisten und alle Mitwirkenden. Ein beredtes Zeichen dafür, dass neue Musik kein Privileg von Spezialisten sein muss.

05.12.06, Von Marie-Luise Mettlach, WZ

 

 

 
 

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