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Festliches Neujahrskonzert in Leichlingen
Gala-Konzert in Neustadt a. d. Weinstraße
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Hier finden Sie die Presseartikel über den Orchesterverein aus dem Jahre 2009. Rechts können Sie die verschiedenen Anlässe direkt auswählen.

 


 

 

Leichlingen

Nicht nur für die Champagnerlaune

VON MONIKA KLEIN

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Das sinfonische Blasorchester des Orchestervereins Hilgen 1912 gewann im vergangenen Jahr einen internationalen Musikwettbewerb in Straßburg.

Leichlingen (RP) Der Orchesterverein Hilgen überzeugte bei seinem Konzert in der Leichlinger Aula Am Hammer mit einer reifen und konzentrierten Darbietung. Dirigent Johannes Stert steuerte eine eigene Bearbeitung eines Brahms-Werkes zum abwechslungsreichen Programm bei, das auch Ernstes bot.

Beschwingt startete der Orchesterverein Hilgen mit einer keck und lustvoll vorgeführten „Petite Polka Chinoise“ von Gioachino Rossini in der voll besetzten Leichlinger Aula Am Hammer. Aber es blieb keineswegs ausschließlich bei Kompositionen, die sich in unbeschwerter Champagnerlaune genießen lassen. Im bunten Programm-Mix gab es ebenso Ernstes wie Lehrreiches.

Ausnahme zum Schluss

Und zum Abschluss reihte sich das Quadriga Posaunenquartett am Bühnenrand auf, um den Solopart im Konzert für vier Posaunen und Blasorchester von Jan Koetsier zu meistern. Eine Originalkomposition für diese Besetzung und damit naturgemäß eine Ausnahme an diesem Abend. Denn ein sinfonisches Blasorchester wie der Orchesterverein Hilgen 1912, der sich jenseits von Volks- oder Militärmusik der klassischen Literatur verschrieben hat, ist in der Regel auf Bearbeitungen und passende Arrangements angewiesen, weil es vergleichsweise wenig anspruchsvolle Originalkompositionen gibt. Neben diesem rhythmisch vertrackten Konzert des 2006 verstorbenen Bläser Koetsier, das dem Solistenquartett im Mittelsatz Gelegenheit zu lyrisch ausdrucksvoller Melodik gab, gab es in diesem Programm nur noch zwei originale Tänze aus der Oper „Lied aus Russland“ von Georgy Sainikov zu hören. Alles andere war von unterschiedlichen Arrangeuren für die Besetzung eines sinfonischen Streichorchesters eingerichtet.

Eine Bearbeitung stammte vom Dirigenten Johannes Stert selbst. Bereits Arnold Schönberg hat eines der Klavierquartette von Johannes Brahms für ein größeres Ensemble instrumentiert, für ein Sinfonieorchester. Das hat wohl auch Stert inspiriert, aber er wählte nicht das Selbe, sondern die Nr. 3 in c-moll op. 60. Was Brahms eigentlich für Streicher plus Klavier gedacht hatte, klang hier farbenfroher, wenn das selbe Thema von unterschiedlichen Bläserstimmen oder im Tutti aufgenommen wurde. Wie vorher bei Puccini begeisterte der Hilgener Orchesterverein durch präzises und aufmerksames Zusammenspiel. Da vergaß man, dass es sich um ein Laienensemble handelt. Eines, das mit Wolfgang Neu und Guido Simon vorzügliche Soloklarinettisten in den eigenen Reihen hat. Die größte Herausforderung war vielleicht die Entdeckung der Langsamkeit, die Stert von seinen Musikern bei der Interpretation von Gustav Mahlers Adagietto aus der 5. Sinfonie verlangte.

(Rheinische Post vom 13.01.2009)

 

Der andere Ton der Blasmusik

Von Ingeborg Schwenke-Runkel

Die musikalischen Herausforderungen des Orchestervereins Hilgen haben sich auch im neuen Jahr nicht verringert. Das bestätigt das Konzert, bei dem sich der Bläserverein als modernes Team zeigt.

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Stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen: die Mitglieder des Orchestervereins Hilgen, die auch in Leichlingen mit Fagott, Posaune Tuba und Co. überzeugten. (Bild: Ralf Krieger)
leichlingen2009_3Stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen: die Mitglieder des Orchestervereins Hilgen, die auch in Leichlingen mit Fagott, Posaune Tuba und Co. überzeugten. (Bild: Ralf Krieger)

Burscheid - Ja, darf der das? Den ersten Satz aus dem dritten Klavierquartett von Johannes Brahms für Blasorchester ummodeln? Die subtilste klangliche Form der Musik in die volkstümlichste Besetzung übertragen? Den durchsichtigen Kammermusikton von vier Instrumenten jener Gruppe anvertrauen, die gemeinhin Polkas und Märsche herausposaunt?

Ja, er darf. Denn Johannes Stert, der vieljährige Leiter des Orchestervereins Hilgen, hat aus dem bergischen Bläserverein des frühen 20. Jahrhunderts ein Orchester geformt, das die Tradition einer normalen Blaskapelle weit hinter sich gelassen hat und als modernes Team im 21. Jahrhundert angekommen ist. Nicht nur die vielen Preise, die das Ensemble in den vergangenen 15 Jahren erhalten hat, belegen diesen anderen Ton von Blasmusik, auch das Konzert zum neuen Jahr in der Leichlinger Aula Am Hammer bestätigte den Auf- und Ausbruch. Die Musiker und Musikerinnen fuhren vom Berg ins Tal an der Wupper, denn bereits zum wiederholten Mal hatte der Männergesangverein Leichlingen-Oberschmitte die Idee zu diesem - leicht verspäteten - Start ins neue Jahr.

Das Anliegen Johannes Sterts erschloss sich auch in diesen Frühabendstunden am Sonntag. Stert will Ausführenden und Publikum jene Musikbereiche öffnen, die beiden Gruppen aus nahe liegenden Gründen verschlossen bleiben. Den einen, den Musikern, weil die Auswahl der Originalkompositionen begrenzt ist; den anderen, den Zuhörern, weil Kompositionen von Ludwig van Beethoven oder Joseph Haydn oder eben Johannes Brahms nicht zum täglichen Musikkonsum gehören. Beide Seiten profitieren von diesem Neuen, vor allem, wenn das Ungewohnte so umsichtig und so lebendig ausgeführt wird, wie an diesem Abend.

Raffiniertes und Schwelgerisches von Gioacchino Rossini und Giacomo Puccini, Bravouröses von Amilcare Ponchielli, Erotisches von Gustav Mahler, Fetziges von Jan Koetsier - egal, ob als Original oder als Bearbeitung: Es spielte keine Rolle, denn der Charakter der Stücke stand im Mittelpunkt. Ihn erspürten die Musiker, weil sie stets bei der Sache und rhythmisch immer auf der Höhe waren, selbst bei schwierigsten Tempowechseln, etwa in den beiden Tänzen von Georgy Salnikov aus dessen Oper „Lied aus Russland“.

Aufmerksam setzte der Orchesterverein Sterts dynamische Vorgaben um. Den größten und längsten Bogen vom Leisen zum Lauten spannte das Ensemble im Adagietto aus Mahlers fünfter Sinfonie - das Stück, das den Endlos-Atem braucht. Solisten von Format wie die Klarinettisten Wolfgang Neu und Guido Simon und das „Quadriga Posauenquartett“ bestätigten den hohen Anspruch, den sich das Orchester selbst setzt. Das Ergebnis wird auf einer CD nachzuhören sein, denn der Carpe Diem Musikverlag schnitt das Konzert mit. Auf ein Neues also im kommenden Jahr, bei hoffentlich angenehmeren, weil höheren, Temperaturen in der Leichlinger Aula.

(Kölner Stadt-Anzeiger vom 13.01.2009)

Nach der Bearbeitung „mehr Stert als Brahms“


Von Marie-Luise Mettlach

Bei seinem anspruchsvollen Konzert in Leichlingen folgte der OVH seinem Dirigenten souverän auch in ungewohnte Harmonien.

Leichlingen. Zum dritten Mal bat der Orchesterverein Hilgen zum Neujahrskonzert nach Leichlingen.

Die Aula am Hammer füllten neben Leichlinger Musikfreunden auch viele Burscheider Fans des Orchesters, die Eis und Schnee nicht gescheut hatten. Mit einem ebenso abwechslungsreichen wie anspruchsvollen Konzert wurden sie für die Mühe belohnt. Glanzlichter waren solistische Darbietungen von hoher Qualität. Ganz im Sinne des Komponisten Gioacchino Rossini, der vor allem durch seine Oper „Der Barbier von Sevilla“ bis heute bekannt ist, wurde die einleitende „Petite Polka Chinoise“ als ironisch-heiteres, die Zuhörer amüsierendes Werk geboten. Vor dem inneren Auge sah man die grazilen Chinesinnen tanzen und die Akrobaten halsbrecherische Figuren ausführen. Riesigen Beifall ernteten die beiden Solo-Klarinettisten Wolfgang Neu (Mitglied des OVH) und Guido Simon, der in zahlreichen Orchestern bis hin zu Bigbands und in kammermusikalischen Formationen verschiedenster Art spielt, mit „Il Convegno“ („Zusammenkunft“) von Amilcare Ponchielli. Leicht, locker und heiter, brillant in der Technik und hervorragend im Zusammenspiel der 1. Satz, zarte Melodiebögen im Mittelteil und spielerisch virtuos der 3. Satz: ein wahres Hörvergnügen. So zart und leise, so einschmeichelnd sanft hört man Klarinetten selten. Dem Orchester fiel auf weite Strecken lediglich die Funktion des Begleiters zu – es ergab sich auch hier ein vollendetes Zusammenspiel. In die Welt großer Gefühle entführte dann das „Preludio Sinfonico“, von Giacomo Puccini als Zwischenspiel zu seiner Oper Manon Lescaut komponiert. Hauptwerk des ersten Programmteils war eine von Johannes Stert geschriebene Bearbeitung des Klavierquartetts Nr. 3 c-Moll von Johannes Brahms. In kurzen Zügen klärte Stert das Publikum über seine Motivation auf, dieses schwierige kammermusikalische Werk umzuschreiben: „Brahms hat nichts für Blasorchester geschrieben, aber ich möchte dem OVH, der als Laienorchester so weit fortgeschritten ist und ein so hohes Niveau erreicht hat, diese Musik nicht vorenthalten.“ Ein Hauptthema ließ er zum besseren Verständnis für die Hörer kurz mehrfach anspielen, dann erklang dieses „ganz ernsthafte Stück zum Neujahrskonzert“ im Ganzen. Ein völlig neues Klangbild hat Stert mit seiner Bearbeitung geschaffen, Brahms weitgehend dadurch verfremdet, indem er die in der Originalkomposition eher verhalten aufscheinende Dramatik unheilschwanger steigerte. Was da erklang, war „mehr Stert als Brahms“, wie eine Hörerin meinte, aber ein überzeugendes Beispiel für die kompositorischen Qualitäten des weit über den OVH hinaus bekannten Dirigenten. Ein Lob auch dem Orchester, das den ungewohnten Harmonien folgte, als habe man nie etwas anderes gespielt.

Mahler-Sinfonie als besondere Herausforderung

Auch der zweite Programmteil konnte nicht gegensätzlicher sein: Nach zwei Tänzen aus der Oper „Lied aus Russland“ von Georgy Salnikow erklang das Adagietto aus der 5. Sinfonie von Gustav Mahler, ein Werk von „unglaublicher Langsamkeit und eine Herausforderung für Bläser“ (Johannes Stert). Das hoch motivierte und engagierte Orchester meisterte auch diese schwierige Aufgabe so sicher und überzeugend, dass selbst die Zuhörer, die das Werk in der Originalfassung für Sinfonieorchester genau kennen, diese neue Fassung als „typisch Mahler“ erlebten. Am Schluss des Programms stand ein weiteres Solistenkonzert. Das Quadriga Posaunenquartett (Holger Pfeuffer, Carsten Luz, Jan Böhme und Martin Zuckschwerdt) begeisterten mit dem Konzert für vier Posaunen und Blasorchester des zeitgenössischen Komponisten Jan Koetsier. Unterhaltsam, melodiös und mit brillanter Technik rissen sie das Publikum mit. Erst nach drei schmissigen Zugaben, einer des Posaunenquartetts und zweien des OVH, wollten die Zuhörer wieder nach Hause.

(Westdeutsche Zeitung vom 13.01.2009)

 

 


 

Man höre und staune

Orchesterverein Hilgen beweist im Saalbau, dass er zu Recht als eines der besten Blasorchester des Landes gilt.

neustadt_klWaren die Orchester, die am Wettbewerb im Saalbau teilnahmen, schon allesamt Ensembles, die der symphonischen Blasmusik gut den Weg bereiten und hochstehend musizieren (siehe vorhergehende Seite), so zeigte der Orchesterverein Hilgen am Sonntagabend im Saalbau, dass noch mehr drin ist, noch mehr geht, selbst für Orchester in den hohen Einstufungen der Blasmusikszene. Ganz klar Höchststufe spielten die Musiker dieses aus Burscheid bei Köln stammenden Orchesters unter Leitung von Walter Ratzek, der bereits mit dem Musikcorps der Bundeswehr am Freitagabend das Landesmusikfest eröffnet hatte. Und wieder war es Ratzek, der die Maßstäbe für symphonische Blasmusik in Deutschland vorgibt, der Akzente setzt und zeigt, dass diese Musik auf höchstem Niveau durchaus mit den Leistungen von klassischen Symphonieorchestern auf einer Ebene gesehen werden muss. Aber, es war auch der Abend, an dem klar wurde, dass diese Musik oft nur Szenegänger oder Musiker anspricht, die leeren Sitze im zwar gut besuchten, allerdings längst nicht ausverkauften Saalbau zeugten davon. Die Zuhörer setzten sich überwiegend aus Fachpublikum zusammen, wer durch die Reihe sah, erkannte Gesichter, die er schon oft auf Bühnen gesehen hat, wenn symphonisch arbeitende Orchester aufspielen. Sei‘s drum, das Konzert war durchaus ein Meilenstein auf dem schwierigen Weg der symphonischen Blasmusik zu mehr Akzeptanz. Überwiegend amerikanische Komponisten wurden vom Orchesterverein Hilgen – der durchaus mit Profis, beispielsweise aus Ratzeks Musikcorps besetzt ist – gespielt. Lobenswert: Gleich zweimal gab es Alfred Reed, zur Eröffnung „The Hounds Of Spring“, eine 1981 geschriebene Ouvertüre, anschließend das klangmalerische Werk „The Enchanted Island“ (Die verzauberte Insel). Gerade dieses mystisch klingende Stück hatte es in sich und zeigt, wie feinfühlig der bestens besetzte Orchesterverein arbeitet. Perfektion bei Technik und Intonation, das begeisterte das Publikum, das am Ende den Applaus teilweise im Stehen spendete. Zentrales Stück des Abends: die „Rhapsody in Blue“, bei der Ratzek selbst den Solo-Part am Flügel übernahm, gleichzeitig als Dirigent und Solist wirkte. Sein kräftiger Griff in die Tasten, das klar akzentuierte Spiel stach heraus. Sehr deutlich zeigte Ratzek die Strukturen des Arrangements von Tohru Takahashi, das speziell auf die Bedürfnisse des symphonischen Blasorchesters abgestimmt ist. Hier wurde erkennbar, dass diese Besetzung wirklich gegenüber dem Symphonie-Orchester nicht zurücksteht, es möglich ist, jede Musik ausschließlich mit Bläsern umzusetzen. Heiter und launig kam dagegen „Walking The Dog“ (Gershwin) daher, ein Klarinettensolo gespielt von Stefan Heider nach einem Arrangement von Derek Bourgeois. Weiterer Glanzpunkt war die Ouvertüre von Richard Wagners „Der Fliegende Holländer“, arrangiert von Mark Hindsley. Hier waren die Klarinetten in absoluter Perfektion, vollkommenen synchron selbst bei schwierigsten Passagen. Die Finger der Musiker flogen geradezu über die Instrumente – das hatte echte Klasse. Auch das Solo des English Horn muss besonders gelobt werden. Der Abschluss des Abends war Bernsteins 1980 geschriebenes Stück „Divertimento“ für Symphonic Band, das dem Boston Symphonic Orchestra gewidmet wurde. Clare Grundmann hat das Arrangement geschrieben, mit dem der Musikverein Hilgen das Werk umsetzte. Da blieb einfach nur das Staunen beim Zuhören – es geht eben mehr, als mancher Blasmusiker und Zuhörer sich vorstellen kann – Walter Ratzek hat er es erneut bewiesen.

(Jörg Schifferstein, Neustadt, für „Die Rheinpfalz“ vom 2. Juni 2009)

 


 

Nachbrenner für eine Wundertüte

Der OVH trotzt allen widrigen Umständen und erstaunt mit seiner Wandlungsfähigkeit selbst seinen Dirigenten.

serenade_2009_1Manchmal mag gerade ein Zuviel an Sorgen genau die richtige Dosis sein, um sie in einem Akt resignativen Aufbegehrens allesamt über Bord werfen und danach wie beflügelt aufspielen zu können. Atmosphärische Spannungen, eine missratene Generalprobe und ein derart miserables Wetter, dass an einen Konzertabend unter freiem Himmel beim besten Willen nicht mehr zu denken war. Und dann verzieht sich das Grollen und Blitzen doch, Frieden macht sich breit und der Orchesterverein Hilgen (OVH) tritt auf, als sei er nur für diesen Moment gegründet worden.

Wie viele musikalische Gesichter hat der OVH eigentlich? Am späten Freitagabend, nach jenem so gar nicht vielversprechenden Probelauf für das Serenadenkonzert, taucht eine kleine Abordnung der Musiker noch bei der Verabschiedung von Schulrektor Friedhelm Julius Beucher auf und versorgt die verbliebenen Gäste mit einer Dosis handelsüblicher Rambazamba-Blasmusik.

Wuchtig, verschmitzt und atemberaubend exakt

Einen Tag später donnern die Bläser mal eine Wagner-Ouvertüre durch die Kirchenkurve und lassen nur wenig später mit einem verschmitzten Gershwin-Stück einen Hund am alten Gemäuer Gassi gehen. Im Bernstein-Divertimento werfen sie sich mit atemberaubender Exaktheit minimalste Einsätze zu wie Hochgeschwindigkeitsbälle, um im nächsten Augenblick daherzukommen wie eine rotzige Blueskapelle in irgendeiner Kaschemme von New Orleans.

Bei dieser Wandlungsfähigkeit gerät selbst Dirigent Walter Ratzek ins Staunen: Gegen Ende verkündet er über das Mikrofon unverkennbar irritiert seine Einsicht, beim OVH handele es sich eindeutig um „ein Konzertorchester und kein Probenorchester. Hier blüht es auf, als würde ein Nachbrenner gezündet.“

Ratzek leitet seit acht Jahren das Musikkorps der Bundeswehr, ein Profi unter Profis mit entsprechenden Erwartungen an die Probendisziplin. Manches Mal ist er seit Januar an den Gegebenheiten eines Laienorchesters verzweifelt – und dieses an ihm. Aber die fordernde Zusammenarbeit hat Früchte getragen.

Früchte, die so gut zu hören sind wie noch nie. Erstmals in der nun schon sechsjährigen Geschichte der OVH-Serenadenkonzerte und wohl auch einmalig wird der Klangkörper über Mikrofone und Lautsprecher übertragen. Das gibt dem Bläserwumm noch mehr Nachdruck, sorgt aber vor allem auch dafür, dass die zarten Momente nicht untergehen. Auch das ist Ratzek zu verdanken, der die Anlage organisiert und gleich seinen Sohn ans Mischpult gesetzt hat.

Aber Dirigieren allein genügt dem Energiebündel nicht. Bei Gershwins Rhapsody in Blue greift er selbst kraftvoll in die Tasten des E-Flügels, virtuos, ohne selbstverliebt zu sein, und reißt in Sekundenschnelle wieder die Arme empor zum Dirigat – wie am Sonntag noch einmal beim Priesterjubiläum und Abschied von Markus Höyng.

Und dann, vor den Zugaben, die letzte Dosis, um die Herzen endgültig zu öffnen in der großen Publikumsschar: ein Potpourri von Chaplin-Melodien. Dieser kleine, watschelnde Lebenskünstler, dessen äußeres Erscheinungsbild die große Liebe seines Darstellers zur Musik so gar nicht erahnen lässt.

So abgerissen wie der traurige Tramp der Schwarz-Weiß-Streifen ist das Burscheider Publikum natürlich nicht, aber viele darunter, die anders nie in ein OVH-Konzert geraten würden. Nicht nur ihnen eröffnet das Orchester in der Kirchenkurve Jahr für Jahr wieder eine Wundertüte.

Abgang in die Lichter der Kleinstadt, in denen der Zauber des Abends noch eine Weile weiterglänzt.

(Ekkehard Rüger für die Westdeutsche Zeitung vom 29. Juni 2009)

"Das ist die Technik der Bundeswehr"

In der Kirchenkurve schwingt ein Oberstleutnant unter freiem Himmel den Taktstock

Orchesterverein Hilgen hatte beim Serenadenkonzert Glück mit dem Wetter.

VON ANA OSTRIC

Gespräche über das Wetter gehen immer. Zu warm, zu kalt, zu nass - der lockere Plausch über Hochs und Tiefs wird gerne genutzt, um ernste Themen zu umgehen. Am Samstag aber war die Wetterlage in Burscheid tatsächlich ernst. Schließlich schien eine Absage des Serenadenkonzerts des Orchestervereins Hilgen (OVH) nicht ausgeschlossen. Noch am Nachmittag, als der Himmel dunkel war und leichter Regen einsetzte, herrschte beim OVH-Vorsitzenden Martin Mudlaff Skepsis. Als die goldenen Zeiger auf der Kirchturmuhr des evangelischen Gotteshauses am Abend neun Uhr anzeigten, lächelte Mudlaff aber. Der erste Teil des Serenadenkonzerts war soeben zu Ende gegangen - im Trockenen.

Ein freundliches Blau

Das symphonische Blasorchester aus Burscheid hatte bei der sechsten Auflage des Serenadenkonzerts in der Kirchenkurve Glück mit dem Wetter. Am Himmel über der Kirchturmspitze in Burscheids Stadtkern dominierte ein freundliches Blau, so dass sich die Musikliebhaber ganz und gar dem Hörgenuss hingeben konnten. Dabei hatte der Abend mit einer "europäischen Naturgewalt" begonnen, wie Querflötistin und Moderatorin Annette Willuweit passend zum Wetter-Thema kommentierte.

Mit Richard Wagners Ouvertüre zum "Fliegenden Holländer" startete das furiose Konzert unter der Leitung des Gastdirigenten Walter Ratzek, dem Chef des Bundeswehr-Musikkorps. Unter dem Motto "Sommerliche Rhapsody in Blue" hatten Ratzek und die Burscheider Musiker ein beschwingtes Programm zusammengestellt. George Gershwins "Rhapsody in Blue" und "Walking the Dog", Melodien von Charlie Chaplin oder die "Hounds of Spring" von Alfred Reed begeisterten das Publikum. In der kleinen Kurve vor der Evangelischen Kirche fanden die Besucher Platz auf eigens bereitgestellten Stühlen. Oberstleutnant Walter Ratzek war es zu verdanken, dass die Musik beim Serenadenkonzert erstmals auch über Lautsprecher zu hören war. "Das ist die Technik der Bundeswehr", berichtete Martin Mudlaff. Neben Mikrofonen und Lautsprechern hatte der Diplom-Kapellmeister Ratzek auch einen digitalen Flügel mitgebracht. An den Tasten zeigte der Oberstleutnant aus Langenfeld bei der "Rhapsody in Blue" sein Können - ein energischer und unterhaltsamer Auftritt, bei dem er zugleich das Blasorchester dirigierte. Spätestens jetzt war die Sorge ums Wetter vergessen.

(Kölner Stadt-Anzeiger vom 29. Juni 2009)

 


 

Leichlingen/Burscheid. Generationen von Kindern haben mit dem musikalischen Märchen „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew die Instrumente eines Sinfonieorchesters kennengelernt. 1936 geschrieben, hat das Werk bis heute nichts von seinem Charme eingebüßt: Es regt die kindliche Fantasie mit Tönen an und ist jahrzehntelang auch nur zu hören gewesen.

pudw_presse_klAber es lässt sich auch szenisch darstellen. Das bewies der Orchesterverein Hilgen in Zusammenarbeit mit der Musiktheater-AG der Montanussschule in einer bezaubernden Aufführung in der Aula am Hammer, Leichlingen. Johannes Stert, der das Werk für sinfonisches Blasorchester bearbeitet hat und es selbst dirigierte, ließ die Finessen dieser musikalischen Kostbarkeit ausspielen – nicht nur in den solistischen Passagen, die die einzelnen Figuren des Stückes charakterisieren, sondern auch im gesamten Orchesterklang

Für jede der Aufführungen eine eigene Besetzung

Annette Willuweit, die die Gesamtleitung der Aufführung innehatte, moderierte mit Charme und Einfühlungsvermögen in die kindliche Seele. In zwei Besetzungen wurde das Werk aufgeführt, insgesamt wirkten 27Kinder der Klasse 3 a der Montanusschule mit. In reizenden Kostümen bewegte sich zum Takt der Musik leichtfüßig der Vogel (Lea Laermann/Ellen Dillenburg), schleichend die Katze (Yasmin Alaska/Malin Hirschegger), watschelnd die Ente (Clara Becker/Helena Schultes).

Dem Großvater des Originals wurde eine Großmutter hinzugesellt (Lisa Jäger/Ellen Schneeberg – Alexis Papachristou/Lea Kopisch) und ein anhänglicher Hund (Paul Schindler/Luka Klein). Den Wolf verkörperten mit furchterregender Maske Carlo de Buhr/Lea Knott). In kleineren Nebenrollen agierten noch weitere zehn Kinder.

Die Hauptrolle, den mutigen Peter, der mit Hilfe des Vogels den grimmigen Wolf fängt, spielten Tom Halfmann und Nicolas Schniesko. Wie sich die Kinder im Rhythmus der Musik bewegen sollten, das dirigierte Annette Willuweit mit weiß behandschuhter Hand.

Nette kleine Regieeinfälle machten die Aufführung abwechslungsreich, so, wenn der Hund „Männchen“ machte oder die das Wasser darstellenden Kinder ein weiß-durchsichtiges Tuch im Takt bewegten.

Die vielen, vorwiegend kleinen Kinder in der voll besetzten Aula hatten ihren Spaß an der lebendigen Aufführung und die Erwachsenen auch.

Als „Zugabe“ gab es dann für die Kinder noch die Möglichkeit, sich die einzelnen Instrumente, die zu Beginn der Aufführung vorgestellt worden waren, noch einmal ganz persönlich anzusehen und auszuprobieren.

(Westdeutsche Zeitung vom 2. November 2009)

 
 

Aktuelles

Bergischer Löwe

Am 4.5.2019 um 19:30 spielen wir im Bergischen Löwen. Als Solisten wirken mit: Olaf Ott (Berliner Philharmoniker) und Rocco Rescigno (Duisburger Philharmoniker)

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